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MORITZBURG FESTIVAL | 8.-22. AUGUST 2010
Unter der Künstlerischen Leitung des Cellisten Jan Vogler findet das Moritzburg Festival in diesem Jahr vom 8.-22. August 2010 statt. In diesem Jahr liegt der Fokus auf Werken der Romantik, nicht zuletzt anlässlich des 200. Geburtstags von Robert Schumann.Composer-in-Residence 2010 ist der Schweizer Komponist und Saxophonist Daniel Schnyder. Sein "Songbook für Saxophon und Orchester" und Beethovens “Eroica” erarbeitet vom 2.-15. August die Moritzburg Festival Akademie unter der Leitung der mexikanischen Dirigentin Alondra de la Parra, die u.a. das Eröffnungskonzert (8. August, Gläserne Manufaktur von Volkswagen) bestreitet.
Neben Jan Vogler werden dieses Jahr Künstler wie die Geigerin Viviane Hagner, der Pianist Oliver Triendl und der Klarinettist Charles Neidich zu erleben sein, um nur einige zu nennen.
Das Festival steht 2010 unter der Schirmherrschaft von Dr. Thomas de Maizière, Bundesminister des Innern.
Weitere Informationen sowie ein Video über das Festival finden Sie unter www.moritzburgfestival.de.
CD MIT CELLOKONZERTEN VON ZIMMERMANN UND CARTER
Elliott Carter Cello Concerto [2001]Udo Zimmermann Lieder von einer Insel für Violoncello und Orchester [2009]
Jan Vogler (Violoncello)
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks | Leitung: Kristjan Järvi
Konzertmitschnitt vom 15. Mai 2009 Herkulessaal der Münchner Residenz
Neos
www.neos-music.com
REZENSION RHEINISCHER MERKUR: "MY TUNES 2"
Wenn er Schuberts „Ave Maria“ in einem Kaufhaus-Lautsprecher in Tokio hört, dann geht ihm diese Melodie mehrere Tage nicht aus dem Kopf. Ein solches Bekenntnis könnte Medientenor Paul Potts abgelegt haben, es stammt jedoch vom Weltklasse-Cellisten Jan Vogler. Der wurde nicht gecastet, sondern spielte erst klassisch an der Musikhochschule vor und später in immer größeren Hallen. Schon zum zweiten Mal hat er ein Album mit seinen Lieblingsmelodien aufgenommen: Gesangsstücke nimmt er zur Saite wie besagtes „Ave Maria“, Mendelssohn-Bartholdys „Auf den Flügeln des Gesanges“ und Wagners Wesendonck-Lied „Träume“; der Geige entwindet er unter anderem Paganinis „Cantabile“ und die Moses-Variationen. Angenehm süß, aber nie süßlich klingen seine Bögen. Nur einer mit seiner Klasse kann so fein zwischen Sentimentalität und Gefühlstiefe unterscheiden. cfl
Rheinischer Merkur, 15. Juli 2010
JAN VOGLER IM ZDF MITTAGSMAGAZIN
Jan Vogler tritt am Mittwoch, den 14. Juli gegen 13:40 Uhr im ZDF Mittagsmagazin auf. SEINEN AUFTRITT KÖNNEN SIE HIER IM ZDF-ARCHIV SEHEN: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/interaktiv/957238/Die-Gaeste-im-mittagsmagazin---2010#/beitrag/interaktiv/957238/Die-Gaeste-im-mittagsmagazin---2010.Noch am selben Tag beginnt seine Tournee mit den Dresdner Kapellsolisten, die ihn zum Rheingau Musik Festival (14.7.), zum Festival Mitte Europa (15.7.) und zum Lausitzer Musiksommer (16.7.) führen wird.
JAN VOGLER MIT DEM BALTIC YOUTH ORCHESTRA AUF TOURNEE
30. Juni, Gdansk, Sala Koncertowa na Ołowiance
Baltic Youth Philharmonic, Kristjan Järvi
Pärt: Pro et Contra
Tschaikowsky: Rokoko-Variationen
2. Juli, Kopenhagen, Tivoli
siehe 30. Juni
5. Juli, Pärnu, Oistrach-Festival
Eller: Prelude
Tschaikowsky: Rokoko-Variationen
8. Juli, St. Petersburg, Mariinsky, White Nights Festival
siehe 30. Juni
"MY TUNES 2"
Am 18. Juni erscheint bei Sony die neue CD "My Tunes II". Darauf zu hören sind Stücke von Saint-Saëns, Paganini, Mendelssohn, Fauré, Glasunov, Kreisler, Wagner u.a. HIER können Sie Auszüge hören und sie bestellen. 28. Juli 2010: Die "My Tunes 2" ist auf Platz 11 der Klassik-Charts (Quelle: Media Control).
Kritik:
"Bereits vor drei Jahren stellte Jan Vogler auf der ersten Ausgabe von "My Tunes" seine Lieblingsstücke auf dem Cello vor. Nun legt er 14 kleine Werke nach, die einen charmanten Querschnitt des populären Cellorepertoires geben.
Vogler wählte Klassiker wie "Der Schwan" aus dem "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saëns, den "Hummelflug" von Nicolai Rimski-Korsakow oder das "Ave Maria" von Franz Schubert. Doch ebenso wagt er sich an die irrwitzig schwer zu spielenden "Moses Variationen" von Niccoló Paganini und nutzt gleichzeitig diese CD, um Kleinode wie die "Melodie" op. 20 No. 1 von Alexaner Glazunov vorzustellen. Sie ist ebenso wie das "Allegro appassionato" op. 43 von Saint-Saëns keine Transkription, sondern wurde auch ursprünglich für Cello geschrieben.
Voglers Stärke sind die kantablen Melodiebögen, die nicht zu enden scheinen. Davon profitieren Stücke wie "Farewell To Cucullain" von Fritz Kreisler oder "Träume" aus den Wesendonck-Liedern von Richard Wagner, die sanft klagend ertönen. Auch darf mit "Oblivion", einem ungewöhnlich ruhigen Tango von Astor Piazolla, ein Stück von Voglers Lieblingskomponisten nicht fehlen - es setzt den Höhepunkt auf diesem Album. Insgesamt gelang Jan Vogler, begleitet von den Dresdner Kapellsolisten unter der Leitung von Helmut Branny, eine stimmige Fortführung der ersten Ausgabe; ein Abum, an dem man sich einfach nicht statt hören kann." (Birgit Schlinger, Juni 2010)
Quelle: musikwoche.de
DRESDNER MUSIKFESTSPIELE 2010 ZUENDE GEGANGEN
Mit einem mitreißenden Open Air Konzert haben sich die Dresdner Musikfestspiele von »Russlandia« verabschiedet. David Krakauer’s »Klezmer Madness!« boten zum Abschluss eine faszinierende Mischung aus Klezmer, Jazz, Rock, Soul, Funk und Hip-Hop, und begeisterten damit das Publikum in der Jungen Garde. Der Intendant der Dresdner Musikfestspiele, Jan Vogler, ist mit der Resonanz zufrieden: »Wir sind sehr glücklich über den großen Publikumszuspruch und die wundervolle Festivalatmosphäre. Das schöne Wetter des Abschlusswochenendes hat uns den Abschied von ›Russlandia‹ leichter gemacht.«
DRESDNER MUSIKFESTSPIELE BEGINNEN
JAN VOGLER - RADIOKIRCHE AUF N-JOY
REZENSIONEN URAUFFÜHRUNG MANSURIAN CELLOKONZERT MUSIKTRIENNALE KÖLN 2010
Bonner Generalanzeiger, 26. April 2010
"Dies Konzert, jetzt uraufgeführt am 24. April, genau 95 Jahre nach der Vernichtung der armenischen Intelligenz durch die jungtürkische Regierung, setzt auf sparsam benutzte Farben, trauert, leidet und klagt in den Tönen des kompetenten Solisten Jan Vogler."
Kölnische Rundschau, 26. April 2010
"Mansuryans neues Werk, das der Cellist Jan Vogler als klagender Sänger auf seinem Interument grandios vorstellte, (...). In einen statischen, eine große Terz umspannenden Klangraum hinein spricht das Cello seinen dunklen Monolog hinein, ehe sich später intensive Dialoge mit dem Orchester und einzelnen Instrumenten entspinnen."
Kölner Stadt-Anzeiger, 26. April 2010
REZENSION: URAUFFÜHRUNG HARBINSON-KONZERT IN BOSTON
“Wang und Vogler spielten mit schöner tonaler Wärme und konzentrierter Hingabe, doch ebenso mit leichtgängig sicherem Auftreten, als sei das Stück längst Teil ihres Repertoires.”
The Boston Globe, 9. April 2010
http://www.boston.com/ae/music/articles/2010/04/09/bso_unveils_new_harbison_for_husband_and_wife/
JAN VOGLER HEBT ZWEI KONZERTE BEDEUTENDER KOMPONISTEN UNSERER ZEIT AUS DER TAUFE
Am 8. April (auch 9./10.4.) hat Jan Vogler gemeinsam mit der Geigerin Mira Wang und dem Boston Symphony Orchestra das Doppelkonzert von John Harbison in der Symphony Hall in Boston uraufgeführt. Der Boston Globe über das Konzert: “Wang und Vogler spielten mit schöner tonaler Wärme und konzentrierter Hingabe, doch ebenso mit leichtgängig sicherem Auftreten, als sei das Stück längst Teil ihres Repertoires.”
REZENSIONEN: TOURNEE MIT MARTIN STADTFELD (MÄRZ 2010)
Südkurier, 17. März 2010
„Jan Vogler spielte "Vier kurze Stücke für Cello solo" von György Kurtág (geb. 1926). Obwohl keines der Stücke länger als eine Minute dauerte, kamen darin doch - bei faszinierender Fingerfertigkeit und heiterem Glissando - Poetik, Humor sowie Trauer um einen Verstorbenen vor.“
Eckernförder Zeitung, 10. März 2010
„Vogler ließ die letzten Vorbehalte vergessen mit seinem sehr gefühlvollen, sich durch hohe musikalische Intelligenz auszeichnenden Spiel, gepaart mit einem höchst durchdrungenen Gestaltungswillen ins dunkle Nichts, welcher alle Stimmungen der Werke mit gleicher Intensität durchdrang.“
Kieler Nachrichten, 10. März 2010
„Vogler mit einem ausgesprochen kantablen Celloton und feinen klanglichen Nuancierungen, (…). Er präsentiert vier Stücke des Ungarn György Kurtag (geb. 1926), die er sehr amüsant anmoderiert. Nicht von Bach war auch die Zugabe der beiden Echoklassik-Preisträger: Der fulminante zweite Satz aus der Cellosonate Dmitri Schostakowitschs sorgte einmal mehr für Begeisterung im ausverkauften Haus.“
Flensburger Tageblatt, 9. März 2010
„Dann kamen mit Jan Vogler Nähe und Wärme des Lebens ins Spiel. Sein musikalisches Talent ist gezügelt von wacher Intelligenz, aber nie unterdrückt. Den weichen Klang der Viola da Gamba, (…), gewinnt er auch dem Cello ab, ohne damit dessen ganz anders geartete Natur zu verfälschen. (…) Verwegen, grell, grotesk, vital und so auch lustvoll vorgetragen.“
Landshuter Zeitung, 5. März 2010
JAN VOGLER AUF STAATSBESUCH IN KOREA
JAN VOGLER - THE KNIGHTS - NEUE CD
Am 22. Januar erscheint die neue CD von Jan Vogler und den Knights, New Worlds bei Sony Classical:Das junge New Yorker Ensemble "The Knights" und der in Dresden und New York lebende Cellist Jan Vogler kennen sich gut von ihrer ersten gemeinsamen Aufnahme mit Werken von Schostakowitsch. Dabei entstand die Idee zu einer weiteren gemeinsamen CD mit Werken amerikanischer Herkunft, welche die Künstler mit dem Titel "New Worlds" jetzt vorlegen. Mit "The Unanswered Question" von Charles Ives, Coplands "Appalachian Spring" und Dvoráks "Waldesruh" für Cello und Orchester sind Werke auf der CD zu hören, die aus Nordamerika stammen. Mit der Komponistin Gabriela Lena Frank und dem in Argentinien geborenen Osvaldo Golijov sind zwei Komponisten Südamerikas vertreten.
Charles Yves: The Unanswered Question (II)
Gabriela Frank Leyendas: An Andean Walkabout
Antonin Dvořák: Waldesruh (Jan Vogler, Cello)
Osvaldo Golijov: Last Round
Aaron Copland: Appalachian Spring
The Knights, Eric Jacobsen
Sony Classical
REZENSIONEN: BACH-CD MIT MARTIN STADTFELD
Die Welt, 21. November 2009
„Ein ausdrucksstarkes Cello, das mit mächtigen Klangfiguren und breitem, sattem Strich aus sich herausgeht, …“
Ensemble, Februar/März 2010
„Wenn zwei Solisten miteinander spielen, kann das Resultat enttäuschend sein. Nicht so hier: Vogler und Stadtfeld hören aufeinander, keiner spielt sich in den Vordergrund, und so ist es ein Erlebnis, ihrem geistvollen Dialog in diesen frühen, bereits vielschichtigen Bach-Werken zu lauschen: Während sich in den Sonaten tänzerische und kantable Teile munter abwechseln, füllen die Choral-Bearbeitungen den schlichten Rahmen kunstvoll aus, gut dokumentiert vom klaren Klangbild. Vogler und Stadtfeld – doppelter Genuss."
Audio, 2/2010
„Denn hier sind keine Interpreten am Werk, die einer möglichst alten Aufführungspraxis huldigen, sondern Musiker, die das Streben nach analytischer Klarheit und klanglicher Schönheit mit den Möglichkeiten eines modernen Steinways in den Konzertsaal von heute tragen. Das Ergebnis ist überaus prächtig in seinem frischen, klaren Spiel, seiner Nachdenklichkeit, seinem geistvoll anmutigen Dialog.“
Freie Presse, 15.01.10
„Ein traumhaft schönes Album, das auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit hoffen lässt.“
Morgenpost
„Vogler und Stadtfeld investieren ihr ganzes Können, ihre ganze wunderbare Kunst der Gestaltung in die Auslotung dieser Werke, so, dass sie dem Hörer als absolut vollendete Kunstwerke erscheinen. Atemlos hört man zu, lässt sich von der einmaligen Klangwelt Bachs verführen…“
Pizzicato
"Zwei Echo-Klassik-Preisträger spielen Johann Sebastian Bachs Gambensonaten. Diese erste gemeinsame Aufnahme von Jan Vogler und Martin Stadtfeld erscheint nicht direkt weihnachtlich, wird aber umspielt und ergänzt von weihnachtlichen Choralbearbeitungen aus Bachs Orgelbüchlein. Diese hatte Bach noch am Weimarer Hof auf die Melodien des lutherischen Gesangbuches verfasst, z.B. "Gottes Sohn ist kommen" oder "Vom Himmel hoch, da komm’ ich her". Gerade diese zurückhaltende Kombination aus Cello und Klavier sorgt für entrückte Momente und innere Einkehr."
mdr Figaro "Take five", 30. November 2009
REZENSION: KONZERT IN DRESDEN, SAINT-SAËNS CELLOKONZERT, DRESDNER PHILHARMONIE, MIGUEL HARTH-BEDOYA, JANUAR 2010
Dresdner Neueste Nachrichten, 18. Januar 2010
REZENSION: KONZERTE IN CHEMNITZ, SCHUMANN CELLOKONZERT A-MOLL, ROBERT-SCHUMANN-PHILHARMONIE CHEMNITZ, FRANK BEERMANN, JANUAR 2010
„Jan Vogler spielte mit Beermann und der Philharmonie derart feinsinnig das Cellokonzert a-Moll, dass sich wohl der ganze Robert Schumann hören ließ: die aus der Leidenschaft seines Empfindens resultierende "Zerrissenheit", auf die sich Svoboda in seiner Komposition beruft. Die liedhafte Schönheit, die in der Frühlingssinfonie lebendig ist, die Rastlosigkeit - und vielleicht auch Ratlosigkeit - des Suchers, des Zweiflers und letztlich Verzweifelnden, das ist das Cellokonzert. Ein strömender Gesang des ganzen unergründlichen Lebens, wer da gut hinhört, kann zu sich finden.
Jan Vogler ist fraglos, unbestreitbar ein Meister. Und er spielt in aller Welt mit allen Partnern von Rang und Namen, seit vielen Jahren. […] Aber hier war nichts anderes vorstellbar, als dieser samtweiche Ton, mit dem Vogler den Gesang des Lebens in die Herzen senkte.“
Freie Presse, 16. Januar 2010
LIEBE BESUCHER,
Es ist immer ein spannender Moment, wenn ein neues Musikjahr beginnt, zwischen den Jahren nehme ich mir Zeit und versuche die Energien für alle Konzerte und Projekte vorzubereiten. Wenn ich dann den Kalender für 2010 durchblättere, kommt Vorfreude auf. Vorfreude auf besondere Konzerthöhepunkte wie die Uraufführung des Doppelkonzertes von John Harbison mit dem Boston Symphony und James Levine, die Uraufführung von Tigran Mansurians Cellokonzert mit dem WDR-Sinfonieorchester und Semyon Bychkov, oder Duo-Abende mit wunderbaren Partnern wie Hélène Grimaud oder Martin Stadtfeld. Genauso freue ich mich jedoch auch auf meine beiden Festivals, die Dresdner Musikfestspiele und das Moritzburg Festival. Beide Projekte inspirieren mich und geben mir die Möglichkeit, das Musikleben in Deutschland mit zu beeinflussen. Gastgeber für meine Kollegen aus aller Welt zu sein bedeutet mir viel, und immer wieder entstehen einmalige Momente: in der Begegnung zwischen den Musikern untereinander und im Kontakt mit dem Publikum.
JAN VOGLER IM ZDF MORGENMAGAZIN
NEUE CD: BACH - GAMBENSONATEN
Die beiden ECHO Klassik-Preisträger Jan Vogler und Martin Stadtfeld kennen sich aus zahlreichen Konzerten. Jetzt sind sie zum ersten Mal zusammen ins Aufnahmestudio gegangen, um sich dem kammermusikalischen Schaffen von Johann Sebastian Bach für Violoncello und Klavier zu widmen. Es sind die drei ursprünglich für Viola da Gamba und Cembalo komponierten Sonaten, die von Choral-Bearbeitungen aus Bachs „Orgelbüchlein“ ergänzt werden.»RUSSLANDIA« THEMA DER DRESDNER MUSIKFESTSPIELE 2010
Dresden, 29.10.2009. Jan Vogler, Intendant der Dresdner Musikfestspiele, gab bei der heutigen Pressekonferenz des traditionsreichen Festivals das Programm für die Dresdner Musikfestspiele 2010 bekannt, die vom 19. Mai bis zum 6. Juni 2010 stattfinden werden. Nachdem die Festspiele 2009 unter dem Motto »Neue Welt« mit ihrem Programm nach Westen geblickt haben, lautet das Motto der 33. Ausgabe der Dresdner Musikfestspiele nun »Russlandia«.
***Heute Nachmittag Zusammenfassung der Pressekonferenz als Video auf www.musikfestspiele.com***
Jan Vogler: »Die Dresdner Musikfestspiele warten 2010 mit einer einzigartigen Werkschau der Musik Russlands auf. Vor allem im 20. Jahrhundert wird das Drama der Spannung zwischen Ost und West zur kreativen Quelle für geniale russische Komponisten und Interpreten. Dresden liegt geografisch und kulturell in der Mitte zwischen Ost und West. Die Dresdner Musikfestspiele wurden während des Kalten Krieges gegründet, als der Einfluss der Sowjetunion in jedem Lebensbereich spürbar war. Zwanzig Jahre sind seit dem Fall des >Eisernen Vorhangs< vergangen, und es ist an der Zeit, einen neuen Blick auf die Werke der russischen Komponisten und ihre modernen Interpreten zu werfen.«
Zu den weltberühmten Orchestern, Ensembles und Interpreten, die 2010 bei den Musikfestspielen zu Gast sein werden, zählen das Orchester des Mariinsky-Theaters unter Valery Gergiev mit Hélène Grimaud, das Russische Nationalorchester unter Mikhail Pletnev mit Emanuel Ax, Chor und Orchester des Bolschoi-Theaters Moskau unter Vassily Sinaisky, die Dresdner Philharmonie unter Kurt Masur sowie mit Yuri Bashmet unter Gennadi Rozhdestvensky, das WDR Sinfonieorchester Köln unter Semyon Bychkov mit Jan Vogler, Vadim Repin sowie das Borodin Quartet.
Neben dem Schwerpunkt auf russischen Komponisten, Künstlern und Werken präsentieren die Dresdner Musikfestspiele 2010 viele große Künstler unserer Zeit mit Werken, die mit Dresden in Verbindung stehen. So werden anlässlich des Schumann-Jahres Werke des Komponisten unter dem Titel »Schumann 200« von Künstlern wie Juliane Banse und András Schiff, Murray Perahia und die Academy of St. Martin in the Fields, der Staatskapelle Dresden und Leonidas Kavakos, dem Pittsburgh Symphony Orchestra und Jan Vogler, Frans Brüggen und seinem Orchestra of the Eighteenth Century und dem Hagen Quartett interpretiert.
Auch junge Künstler erhalten wieder eine große Bühne bei den Dresdner Musikfestspielen: Baiba und Lauma Skride, Alice Sara Ott, Mikhail Simonyan sowie die herausragenden jungen Dirigenten Mikhail Tatarnikov und Yannick Nézet-Séguin.
Die Dresdner Musikfestspiele möchten mit der Vielfalt der Musik auch für die Verständigung zwischen den Menschen eintreten, und so werden vor diesem Hintergrund 2010 gleich zwei Projekte realisiert: »Let’s dance! Der Feuervogel« und »Anatevka«. Ersteres ein Projekt mit sozialem Schwerpunkt, bei dem der berühmte Choreograf Royston Maldoom gemeinsam mit Josef Eder die künstlerische Leitung und Choreografie übernimmt und mit ca. 120 Dresdner Schülerinnen und Schülern aus unterschiedlichsten sozialen Schichten den »Feuervogel« einstudiert und mit dem MDR Sinfonieorchester zur Aufführung bringt. Letzeres eine Koproduktion mit dem Staatsschauspiel Dresden, bei der unter der Leitung eines professionellen künstlerischen Teams jugendliche und erwachsene Bürgerinnen und Bürger Dresdens die Geschichte von »Anatevka« auf der Bühne erzählen werden.
Als Vorboten der Festspielsaison präsentieren die Dresdner Musikfestspiele am 8. März 2010 ein Konzert mit Cecilia Bartoli und dem Kammerorchester Basel.
Das »Abo U 30«, das mit 4 Veranstaltungen für junge Leute bis 30 Jahre im vergangenen Jahr sehr erfolgreich eingeführt wurde, wird fortgesetzt.
Die Dresdner Musikfestspiele freuen sich über die Zusammenarbeit mit nunmehr drei starken Partnern, die das hohe künstlerische Engagement erst möglich machen: Die Partnerschaft mit der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden, die im letzten Jahr begonnen wurde und mit dem ungewöhnlichen Veranstaltungsort dem Festival einen neuen und innovativen Charakterzug verleiht, wird fortgeführt. Die langjährige Zusammenarbeit mit Glashütte Original, deren Kern die jährliche Vergabe des Glashütte Original-Musikfestspiel-Preises ist, wird ebenso fortgeführt und weiter vertieft. Als neuer Partner konnte die Ostsächsische Sparkasse Dresden gemeinsam mit der Sparkassen-Versicherung Sachsen gewonnen werden.
JAN VOGLER – SAISON 2009/10 – URAUFFÜHRUNGEN – NEUE CDS
Zu den Höhepunkten des im August zuende gegangenen Moritzburg Festivals 2009, dessen Künstlerischer Leiter er ist, zählten sicherlich die Europa-Premieren zweier Werke des composer-in-residence John Harbison: Abu Ghraib für Violine und Violoncello und das Klaviertrio Nr. 2. Am 8. April 2010 wird Jan Vogler in Boston John Harbisons Doppelkonzert für Violoncello und Violine mit dem Boston Symphony Orchestra unter der Leitung von James Levine uraufführen.
Im selben Monat präsentiert er eine weitere Uraufführung: Das ihm gewidmete neue Cellokonzert des armenischen Komponisten Tigran Mansurian. Das Konzertdatum fällt auf den 24. April, den Gedanktag der Armenier an den an ihnen verübten türkischen Genozid von 1915-1917. Mit diesem Konzert wird die MusikTriennale Köln 2010 eröffnet; es spielt das WDR-Sinfonieorchester unter Semyon Bychkov.
Neben Rezitalen mit Martin Stadtfeld stehen 2009/10 Engagements u.a. beim Pacific Symphony Orchestra (Grant Llewellyn), Cincinnati Symphony (John Storgårds) und Singapore Symphony Orchestra (Christoph Poppen) auf dem Saisonprogramm.
Zudem erscheinen in den nächsten Monaten zwei neue CDs bei Sony: Bachs Gambensonaten mit Martin Stadtfeld und Dvoráks Waldesruh, seine zweite CD mit dem New Yorker Orchester The Knights. Die Knights eröffneten im Mai 2009 mit großem Erfolg die ersten Dresdner Musikfestspiele unter Jan Voglers Intendanz.
Das Moritzburg Festival 2010 läuft vom 7.-22. August, die nächsten Dresdner Musikfestspiele vom 19. Mai-6. Juni 2010.
SIE HÄLT MICH JUNG UND WILD! - CRESCENDO
Dresden, Innenstadt. Wir treffen Jan Vogler im Büro eines unscheinbaren Hauses, nur ein paar Schritte vom berühmten “Goldenen Reiter” entfernt. Hier sitzen die Mitarbeiter der “Neuen Dresdner Musikfestspiele”. Vogler, ihr neuer Intendant, ist sehr entspannt, fast vergnügt. Zeit für ein paar ernste Fragen:
crescendo: Herr Vogler, der Intendant des Europäischen Zentrums der Künste in Hellerau, Dieter Jaenicke, stellte kürzlich fest: “Die zeitgenössische Musikproduktion gleicht eher einem Minenfeld von Abgrenzungen und Missgunst …” Was ist Ihr Eindruck?
Jan Vogler: Das sehe ich gelassen. Natürlich wird auch mit zeitgenössischer Musik Karriere gemacht und das bringt dann die eine oder andere Diskussion über “modern” und “reaktionär” oder “schön” und “hässlich” in Gang. Die Zukunft wird entscheiden…
crescendo: Nun haben wir ja nicht Zeit, 100 Jahre mit dem eigenen Kunsturteil zu warten. Woran wäre denn festzumachen, ob Sie ein vorher nie gehörtes Werk interessant finden?
Vogler: Ich glaube sehr daran, dass Musik zunächst etwas mit der Zeit zu tun haben muss, in der sie geschrieben wird. Sie muss etwas von unserem heutigen Denken und Fühlen ausdrücken, dann hören wir aus persönlichem Interesse zu - wir oder unsere Nachkommen.
crescendo: Als Künstler wird man schnell in eine Schublade geschoben - “Neue Musik”, “Crossover”, “junger Wilder” etc. Für Letzteres sind Sie - mit Verlaub - eigentlich zu lange im Geschäft. Welchen Raum nimmt die Neue Musik in Ihrem musikalischen Leben ein?
Vogler: Sie ist die frische Luft zum Atmen, sie hält mich jung und wild und hilft mir, neue Interpretationswege - auch für die Klassiker - zu finden.
crescendo: War das Interesse schon immer da?
Vogler: Das war schon immer da, aber es ist stetig gewachsen. Ich hatte das Glück, besonders durch das Moritzburg Festival und die dortige “composer-in-residence”-Position, viele Komponisten persönlich kennen zu lernen, da habe ich bei den abendlichen Gesprächen viel zugehört.
crescendo: In München haben Sie kürzlich das lang erwartete neue Cellokonzert des Dresdner Komponisten Udo Zimmermann mit dem Titel “Lieder von einer Insel” aufgeführt, in Kombination mit Elliot Carters spätem Cellokonzert. Auf welche Projekte dürfen wir in der kommenden Saison gespannt sein?
Vogler: Mit dem Boston Symphony und James Levine werde ich mit Mira Wang das Doppelkonzert von John Harbison uraufführen, ein melodisches und nostalgisches Stück - es ist gerade fertig geworden. Und für Semyon Bychkov, das WDR-Sinfonieorchester und mein Cello schreibt der armenische Komponist Tigran Mansurian gerade ein Konzert.
crescendo: Das Datum der Uraufführung liegt wohl nicht ganz zufällig auf dem 24. April - dem Tag, der für alle Armenier mit dem Gedenken an den Genozid durch die Türken verbunden ist.
Vogler: Musik kann uns helfen, uns zu erinnern und auch zu versöhnen.
crescendo: Auf ihrer letzten CD “Experience, live from New York” findet sich Ihre Interpretation von “Machine Gun”. Was entgegnen Sie Puristen, die das geniale Hendrix-Stück nur im Original kennen und wahrscheinlich alles andere ablehnen würden?
Vogler: Das ist ein ähnliches Thema: Hendrix war Pazifist und hat mit diesem Lied den Vietnamkrieg angeklagt. Das Stück ist heute wieder sehr aktuell und ich habe in letzter Zeit den Geist von Woodstock für mich entdeckt. Ich wollte es unbedingt auf dem Cello spielen und das war dann auch ein geradezu physisches Erlebnis. Ich habe viel über Rockmusik und die Variationskunst von Jimi Hendrix erfahren und ein paar neue Klänge auf meinem Cello gefunden.
crescendo: Bekommt zeitgenössische Musik an unseren Musikhochschulen genügend Gewicht?
Vogler: Im Prinzip ja. Aber auch da gibt es die Abgrenzungen, es würde nichts schaden, wenn ein paar “junge Wilde” da demnächst ein paar Zäune niederreißen würden … (lächelt)
crescendo: Wie könnte man das breite Publikum noch besser für Zeitgenössisches begeistern? Helfen Gesprächskonzerte, oder eine zeitgemäße Präsentation, etwa im Internet?
Vogler: Vor allem mit guten Konzerten, schlüssigen Programmen und entsprechendem Enthusiasmus. “Lieder von einer Insel” von Zimmermann könnte ein Repertoirestück werden, aber das kommt nicht von selbst. Auch das ganz breite Publikum würde gern ein paar alternativ-Lieblingsmusiken zu den “Vier Jahreszeiten” oder dem Bach’schen Doppelkonzert entdecken - wir müssen ihm dabei helfen.
8.10.: Halle/Saale;
9.10.: Göppingen;
25.10.: Dresden;
28.10.: München, zusammen mit Hélène Grimaud;
Dresdner Musikfestspiele, 19.05. - 06.06.2010, www.musikfestspiele.com;
Moritzburg Festival, 7. - 22.08.2010, www.moritzburgfestival.de
Seine aktuelle CD:
Experience, live from New York
(Sony Classical)
Martin Morgenstern
WILLKOMMEN AUF DER NEUEN HOMEPAGE
VIDEO: JAN VOGLER AND THE KNIGHTS
JAN VOGLER AND THE KNIGHTS EXPERIENCE - VOGUE
Starcellist Jan Vogler live in New York. Das Album "Experience" (Sony) beginnt mit einem Cellokonzert und Walzern von Schostakowitsch, und es endet mit Jimi Hendrix' "Machine Gun". Gewagt. Gelungen.
TRANSATLANTISCHER BRÜCKENBAU - FONO FORUM
Vorsicht, ich habe zu tun“, fährt die Verkäuferin einen jungen Japaner vor einem CD-Regal an und setzt leicht gereizt hinzu, dass das hier kein Konzertsaal sei, sondern ein Geschäft. Der Mann weicht aufgeschreckt zur Seite und macht der Bedienung gehorsam Platz. Gerade noch war er versunken, der Kaufhausatmosphäre entrückt. Ein paar Meter von ihm entfernt sitzt der Cellist Jan Vogler auf einem alten Hocker und spielt nach dem bekannten G-Dur-Prélude aus der ersten Solocello-Suite von Johann Sebastian Bach die Allemande. Vier weitere Tänze werden noch folgen, denen dicht gedrängt gut 50 Zuhörer in einem großen Kaufhaus der Münchener Innenstadt andächtig folgen. Vor dem Fach mit CDs von David Bowie schließt eine Frau ihren Mann in die Arme und legt den Kopf an seinen Rücken. Ihr Mund lächelt, die Augen sind geschlossen. Auch der Japaner hat wieder zurück zur Musik gefunden und blickt anerkennend auf Finger und Griffbrett des Künstlers und seines Instrumentes. In der Ecke sitzt ein älteres Ehepaar und genießt dankbar jeden Ton. Die Espressomaschine der kleinen Kaufhausbar ist ausgeschaltet, genusssüchtige Kaffeetrinker müssen warten und machen vielleicht gerade eine neue musikalische Entdeckung.
Jan Vogler erzählt später, dass es ihm gelungen ist, zwischen Partitur und Publikum zu übersetzen, dass die Musik angekommen sei. Das ist sowieso das Wichtigste für ihn: sein Publikum zu verstehen und ernst zu nehmen, ganz gleich ob in einer CD-Abteilung, einem Club oder im Konzertsaal. Er will seine Zuhörer verstehen und mit ihnen kommunizieren. Dabei liebt er es, sich während des Spielens vom Cello zu lösen und in eine Art Gesang einzutauchen, das „Stück Holz“ vergessen zu machen, den mechanischen Prozess des Spielens auszuschalten: „Ziel ist, dass der Celloklang so schön ist, dass man sich hinterher überlegt, ob es das Instrument oder die Emotion des Spielers ist, die so sehr bewegt. Das Publikum soll sich fragen, woher eigentlich dieser Klang kommt.“
Nach der Darbietung nimmt sich Jan Vogler viel Zeit für seine Zuhörer. Mehr als eine Stunde beantwortet er Fragen und gibt Autogramme. „Rufen Sie mich an, vielleicht kann ich noch zwei Plätze organisieren“, verkündet er hoffnungsfroh einer Frau und meint damit ein längst ausverkauftes Konzert. Einen jungen Cellisten fragt er interessiert nach seinem bevorzugten Studienort, begrüßt freudig eine alte Bekannte. Vor wenigen Stunden war er noch in Amerika. Dann raus aus dem Flieger, hinein ins Kaufhaus zur Signierstunde. Eine kurze Ansage des Verkäufers, und los geht’s mit Bachs erster Cellosuite. Im Konzertsaal würde er das nicht machen, da nimmt er sich vorher eine Pause. Und wenn er durchs Fahrrad fahren, Joggen und Spazierengehen körperlich nicht so fit wäre, ginge das alles sowieso nicht.
Seit zwölf Jahren lebt er mit seiner Frau und zwei Töchtern in New York. Auch in Dresden hat Familie Vogler noch eine Wohnung. In der sächsischen Hauptstadt spielte Jan Vogler bereits vor seiner AmerikaZeit gut zehn Jahre in der Staatskapelle als Erster Konzertmeister Violoncello, und ohne Erfahrung als Orchestermusiker wäre er wohl niemals Solist geworden. Im Tuttispiel hat er sich den musikalischen Fundus erarbeitet. Freunde, Verwandte und Kollegen sprachen ihm schließlich Mut zu und unterstützten ihn bei seiner Entscheidung, das Orchester zu verlassen: „Ich selber hatte mehr Bedenken als diese.“ Das erste Jahr in Amerika war der „Wahnsinn“, so viel Zeit, um über seine musikalische Zukunft nachzudenken, hatte er noch nie zuvor gehabt: „Es gab Tage, da bin ich aufgewacht und hatte keinen Plan. Ich musste mich musikalisch ganz neu finden.“
Späte Reue gab es nicht: „Ich gucke niemals zurück, stehe immer zu meinen Entscheidungen.“ Alles ging gut, und der selbstbewusste Cellist gehört heute ganz sicher zu den interessantesten Persönlichkeiten des internationalen Musiklebens. Einen Schwerpunkt setzt er dabei auf die transatlantischen Beziehungen: „Zwischen Europa und Amerika gibt es viel zu vermitteln“, und das nicht nur in musikalischer Hinsicht. Der Künstler schwärmt von Barack Obama. Ein Vorbild sei der 44. Präsident der Vereinigten Staaten. Nicht jeder Mensch hätte so viel Begabung, andere Persönlichkeiten von seinen Ideen zu überzeugen, ohne sie damit gleich zu überrumpeln. Von diesem respektvollen und intelligenten Umgang des Politikers mit seinen Mitmenschen könne man viel lernen, auch in Bezug auf die eigenen Interessen und Ziele.
Überzeugungsstark verhält sich Jan Vogler auch seinen Mitarbeitern des Moritzburg- Festivals gegenüber, dessen künstlerischer Leiter er seit acht Jahren ist. Das beruht auf Gegenseitigkeit, denn die hohe künstlerische Qualität fordert zwangsläufig ein gut funktionierendes Organisationsteam. Zusätzlich übernimmt der Cellist 2009 erstmalig die Intendanz der Dresdner Musikfest spiele: „Das hat sich alles ganz natürlich und organisch entwickelt.“ Mit der Doppelrolle als Musiker und zweifacher künstlerischer Leiter ist Vogler keinesfalls überfordert, es bereichert ihn: „Ich habe überhaupt keinen Stress, bin mit meiner Arbeit im Reinen.“ Diese Universalität spornt ihn an. Nach Aufführungen geht der leidenschaftliche Konzertgänger Jan Vogler häufig direkt auf die Musikerkollegen zu und lädt sie auf die Festivals ein.
Neugierde und Offenheit gegenüber den Leistungen anderer sind zugleich Inspiration seines eigenen Spiels: „Seitdem ich das mit den Festivals mache, bin ich auch für mich auf dem Cello viel weiter gekommen. Das ist wie Batterie-aufladen.“ Aus dieser Inspirationsquelle schöpft er ebenfalls neue Ideen für eigene Projekte und entwickelt Leidenschaftlich gerne Konzepte. „Neue Welt“ ist das diesjährige Thema der Dresdner Musikfestspiele. War nicht auch die Entscheidung, nach Amerika zu gehen, eine Flucht aus der alten Welt, eine Abrechnung mit der DDR-Vergangenheit? „Vielleicht“, entgegnet Vogler. Entscheidender ist jedoch seine Sympathie für die vitale Lebenseinstellung vieler Emigranten. Sie übt auf den Cellisten eine ganz besondere Faszination aus. Konfrontiert mit Neuem, anpassungsbereit und kulturell offen, ist den meisten Auswanderern bürgerliche Bequemlichkeit untersagt. Mit allen Sinnen geschärft und der Verpflichtung, sich auf das Fremde einzulassen, stehen sie zwischen den Welten.
Jan Vogler kokettiert nicht, sondern weiß, wovon er spricht, und verweist auf seine chinesische Ehefrau, die Violinistin Mira Wang, die, bedingt durch das Tian’anmen-Massaker, ein Visum für Amerika erhielt und in seinen Augen „eine wirkliche Emigrantin“ ist. Er selber hat sich nie ganz losgelöst, kulturelle Heimat sind für ihn immer noch Dresden und der Geburtsort Berlin. Dorthin will Vogler eine Brücke spannen. New York liefert ihm so viele Anreize, dass er diese auf künstlerischem Weg unbedingt mit dem alten Kontinent verbinden möchte. Daher erwartet der neue Intendant der Dresdner Musikfestspiele neben Gästen wie Nikolaus Harnoncourt, Gustavo Dudamel, Anne-Sophie Mutter oder Hélène Grimaud auch Künstler aus den USA. Und er legt nach: Die Neue Welt bezieht sich selbstverständlich nicht nur auf Amerika, sondern auf die ganze Welt, immer auf allerhöchstem musikalischen Niveau.
Er greift nach einer industriell gefertigten Apfelsaftschorle und füllt die Gläser: „Nicht gesund, aber durstlöschend.“ Dann knistert eine Gummibär chentüte: „Ich habe Hunger. Aber fragen Sie nur weiter!“ Die Augen sind wach, und es scheint, als hätte er noch unendlich viel Zeit für das Gespräch. Wirkt so viel Agilität nicht manchmal ermüdend auf die Menschen seiner Umgebung? Er lacht, da müsste man schon einen Psychologen fragen. Aber durch die Tür gepoltert käme er schließlich nie und verweist wieder auf das hohe Einfühlungsvermögen und den menschlich respektvollen Umgang des amerikanischen Präsidenten Obama. Bequem ist Jan Vogler aber sicher nicht. Stets macht er den nächsten Schritt, „quält sich mit Neuem“, allein schon, um interessant zu bleiben.
Es geht ihm um Mut und perfektionistische Vorbereitung von Inhalten. Bedenken und Risiken will er besiegen. Mit seinem Talent erweckt er durch spannende Konzerte und mit ungewöhnlichen CD-Einspielungen viel Aufmerksamkeit. „Tango!“ heißt die letzte CD. Ein makelloses Frauenbein rekelt sich da von hinten um Voglers Hals, die hochhackigen Schuhe mit der Spitze auf sein Instrument von Domenico Montagnana aus dem Jahr 1721 gerichtet. Er gibt zu, bei den Fotoaufnahmen fürs Booklet viel Freu de gehabt zu haben, kommt dann auf den Punkt: Astor Piazzolla wird von Vogler und dem Moritzburg-Festival-Ensemble, bestehend aus Colin Jacobsen, Mira Wang, Vanessa Perez und Nicholas Cords, als großer klassischer Komponist des 20. Jahrhunderts neu eingeordnet. Nach einer „klassischen Piazzolla-Auf führungspraxis“ haben die fünf gesucht, wollten bewusst kein Crossover machen. So sind auf der Aufnahme ausschließlich klassische Musiker zu hören.
Der CD-Fan Jan Vogler freut sich ganz besonders auf die neue Aufnahme, auf der es Schostakowitsch zu hören gibt. Bearbeitungen aus seinen Jazz-Suiten, das erste Cellokonzert und „Machine Gun“ von Jimi Hendrix. Aufge nommen vor Live-Publikum im New Yorker Club „Le Poisson Rouge“, dem früheren „Village Gate“, in dem Hendrix zu Lebzeiten selbst gespielt hat. Begleitet wird der Cellist von den „Knights“, benannt nach den Rittern der Tafelrunde. „Ein Spitzenorchester, voll junger Talente, die besten jungen Musiker New Yorks“, schwärmt Vogler: „Wenn sie mich heute nach dem Ort fragen, wo man Schostakowitschs erstes Cellokon zert am besten aufführen kann, dann muss ich ironischerweise sagen: New York!“
Dort findet Vogler den Geruch westlicher Avantgarde, der auch Scho s takowitsch berührt haben soll. Die Musiker von The Knights geben auch das Eröffnungskonzert in Dresden, zusammen mit der amerikanischen Sopranistin Dawn Upshaw. Wieder zeigt sich Vogler als Vermittler und schickt Musiker von Weltrang über seine transatlantische Brücke zwischen den Kontinenten. Kritiker unterstellen ihm, wenig Neues zu schaffen, aber Eklektizismus als Vorurteil prallt von ihm ab. Er muss nichts mehr beweisen, als Cellist hat er überzeugt, und als ideenreicher Mensch kritisiert zu werden ist immanent.
Dass Vogler Grenzen überschreitet und dabei für sich immer das Beste verlangt, macht ihn glaubwürdig und begründet seine Professionalität. Auch das hat er bereits mehrfach gezeigt. „Wir müssen etwas bieten“, sagt er „und auf das Klassikgeschäft aufpassen, es mitgestalten. Es darf nicht verflachen.“ Er glaubt nicht an das immer und ewig diskutierte Ende der Klassik oder dass diese in Zukunft bloß eine elitäre Minderheit anspricht: „Das wäre eine Niederlage!“
Einen Sog will Vogler erzeugen, so dass die Leute ohne Konzerte gar nicht leben können. Ein letztes Gummibärchen, dann packt er die Sachen und macht sich auf den Weg: „Kommen Sie mich mal in Moritzburg besuchen“, ruft er noch über den Bürgersteig. Es gibt sicher viele Orte, wo man ihn besuchen und bald wieder sehen und hören kann. Der Sog, denke ich.
Torben Schmidt
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Eines Tages wird sein Cello fliegen lernen, schwerelos sein, auf den Flügeln des Gesanges entschweben. „Ein Cellist“, sagt Jan Vogler, „muss vor allem dieses Stück Holz vergessen machen.“ Doch Vergessen fällt schwer. Das Stück Holz will umarmt, gestreichelt, gehalten werden. Sein Besitzer muss es durch schmale Flugzeuggänge wuchten und bei jedem Sicherheitscheck erklären, dass die Explosionsgefahr, die von dem Korpus Baujahr 1721 ausgeht, das Kontrollpersonal nicht beunruhigen muss.
Allenfalls die Kulturkontrolleure sind alarmiert, wenn Jan Vogler sein Instrument mit festem Griff aufs Publikum loslässt: Musikkritiker schwärmen von seinem charaktervollen Celloton. Der 44-Jährige kann es sich leisten, seinen Namen auf CD-Hüllen größer drucken zu lassen als den des Komponisten. Spätestens seit er im November 2005 die Frauenkirche musikalisch einweihte, ist er über Klassikkreise hinaus bekannt. „Dass mein Name groß auf dem Cover steht, ist keine Arroganz, sondern heute Notwendigkeit“, stellt er klar. „Die meisten Werke für Cello sind oft eingespielt, da macht eben der Name des Interpreten den Unterschied.“ Arroganz würde dem unkomplizierten Kunstkommunikator ohnehin niemand unterstellen.
„My Tunes“ hat er eine seiner jüngeren CDs genannt, eine subjektive Auswahl seiner liebsten Melodien. Eines der Wesendonck-Lieder, die Bachkantate „Ich freue mich auf meinen Tod“ und „Moon River“ hat er dafür unter anderem eingespielt. Musikalische Kurzstreckenflüge in ungewohnter Höhe. Das Cello schwingt sich auf zur menschlichen Stimme, zur zart besaiteten Audrey Hepburn. Puristen mögen derartige Transkriptionen als billigen Trick zur Repertoireaufblähung verachten, Vogler verlässt sich auf den eigenen Geschmack. „Moon River“ etwa spielt er wie eine die Jahrhunderte überdauernde Melodie, die es verdient, von seinem kostbaren Montagnana-Instrument verwöhnt zu werden. Gerade hat er eine CD mit Tangos aufgenommen. „Auch kein Crossover“, betont er, bevor das Wort in einer Frage auftaucht. „Tangos von Piazzolla sind, wie Werke von de Falla, Gershwin und Bartók, Nationalkomposition. Ich biedere mich nicht bei der Unterhaltungsmusik an, sondern nehme sie als klassische Musik ernst."
Das Ernstnehmen ist ihm auf vielen Pressefotos ins Gesicht geschrieben. Mal hockt er einsam auf einem Stuhl, mal schaut er wie ein Adorno-Jünger mit schwarzem Rollkragen den CD-Käufer an. Auf der Hülle von „Concerti brillanti“ blickt er einem Vogel in die Augen, fest entschlossen, die höchst vertrackten Konzerte des 18. Jahrhunderts zu bewältigen. Ist das derselbe, der da in Ringelpulli und Cordhose durch die Hotellobby federt? Jan Vogler winkt fröhlich vom gläsernen Aufzug aus, kommt im Lauftempo auf den Tisch zu, die Haare wippen frisch gefönt bei jedem Schritt. Aus der Hosentasche lugt ein Blackberry, das Instrument des Businessmenschen. Der Interpret ist auch Manager: Er gründete vor 15 Jahren das Moritzburg-Festival, vor kurzem übernahm er zusätzlich die Leitung der Dresdner Musikfestspiele. Ein Job, der Hingabe ans organisatorische Detail fordert. Programme diskutieren, Mozart mit Schulhoff kombinieren, festlegen, wer wann was in welchem Raum an welchem Flügel auf welchem Stuhl spielen wird.
Diesmal hält er den Telefoncomputer aus familiären Gründen griffbereit. Seine Frau, die Geigerin Mira Wang, und die beiden Töchter sind unterwegs zu ihm nach Köln. Normalerweise lebt die Familie in New York, Jan Vogler pendelt zwischen Dresden und der amerikanischen Metropole. Die Kinder sprechen mit der Mutter Chinesisch, in der Schule Englisch, mit dem Vater und untereinander Deutsch. Ein globalisierungsfestes Leben.
Ein sehr deutsches zugleich. Dass der Sohn eines Tages als gefeierter Cellist um die Welt jetten würde, hatte den Voglers im Ostberlin des Jahres 1964 wohl niemand prophezeit. Doch als Profimusiker wussten sie, dass Musik befreit – nach innen wie außen. „Orchestermusiker ist ein Beruf, mit dem du überleben kannst. Du musst nicht in die Partei, du kannst reisen“, zitiert Jan Vogler seine Eltern. Mit sechs bekam er ein Cello. Das passende Instrument für einen kleinen, dicken Jungen, erzählt er, während die Hand kurz über den aktuellen, undicken Bauch streift. Die filigrane Geige bekam der Bruder.
Hauptsache Aufmerksamkeit
Schnell fühlte sich Jan Vogler auf dem Instrument wohl, übte freiwillig stundenlang. Manchmal, wenn die Eltern Gäste hatten und er spätabends wach wurde, spielte er den Besuchern vor. „Ich bin danach völlig zufrieden schlafen gegangen“, erinnert er sich. „Ich habe mich nie vorgeführt gefühlt.“ Ein Stubenhocker wurde der Hochbegabte nicht. „Ich wollte oft raus, Fußballspielen, die Natur entdecken. Heute würde man sagen, ich hatte ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.“ Sanfter Spott schwingt mit.
Als Musikstudent bewarb er sich auf die Stelle des 1. Konzertmeisters Cello bei der Dresdner Staatskapelle. Ein vermessenes Vorhaben für einen jungen Mann ohne Diplom und Wettbewerbserfolg. Er war kein Typ für den Konkurrenzkampf vor einer Jury. „Die Welt hat Platz für mehr als einen guten Cellisten“, hatte ihm der Vater mit auf den Weg gegeben. Jan Voglers Gesicht wirkt bis heute unverbissen. Der 20-jährige Bewerber aus Berlin bekam den Prestigeposten in Dresden. „Als ich in dieser dunklen Stadt ankam, gab es nur die Gemäldegalerie, mein Cello und meine Aufgabe“, erinnert er sich eher dankbar als bitter. Er sog das Orchesterrepertoire in sich auf, die Mozart-Opern, die sinfonischen Schlachtrösser von Wagner, Brahms und Beethoven. Musik „gefressen“ habe er damals.
Die Staatskapelle durfte im Sommer 1989 zum Marlboro-Festival in die USA reisen. Ins Land von Saul Bellow, das Jan Vogler nur aus dem Bücherschrank der Eltern kannte. Er lernte den Cellisten Heinrich Schiff kennen, damals einer der wenigen Stars auf diesem Instrument. Ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom hätte die Konfrontation mit dem Klassenfeind leichter gemacht, doch weil er die Unterschiede registrierte, wollte er raus aus der DDR. Aus Rücksicht auf die Eltern blieb er. „Die Wende kam für mich zum perfekten Zeitpunkt.“
Acht Jahre später wollte er wieder raus. Er kündigte den sicheren Orchesterjob und zog, ohne einen mächtigen Konzertagenten im Rücken, in die USA. Mit New York kompensierte er sein DDR-bedingtes Defizit. Die freie Welt hielt, was er sich von ihr versprochen hatte: „Ich wurde offen aufgenommen“, schwärmt er. Die amerikanischen Klassikfans staunten über den jungen Mann, der sich hinter dem Eisernen Vorhang und unbeeinflusst von allen Moden die Liebe zur deutschen Celloschule erhalten hatte.
Jan Vogler bestellt sich im Café Kiba Kirschsaft mit Banane. „Das soll gesund sein“, sagt er wie einer dieser körperbewussten Sonnyboys aus einer US-Teenie-Serie. Doch Kirsche und Banane sind aus, er schwenkt um auf Johannisbeere, die ist reich an Vitamin C. Ein Glas Rotwein nachmittags um vier, eine Geste des künstlerischen Weltschmerzes, ist von ihm nicht zu erwarten.
Er hat Videoclips zur Entstehung seiner CDs drehen lassen, einige davon sind bei Youtube zu sehen. Musizieren, so lernt der Zuschauer, ist Spaß und Hochleistungssport zugleich. Der globale Saitenspringer hält die Spannung zwischen Tiefgang und Lässigkeit schadlos aus. Er kennt die Geschichte der Dresdner Lukaskirche, in der er „My Tunes“ aufgenommen hat, ebenso gut wie die Finessen des digitalen Mischpults. Er redet gern, hört aber noch lieber zu.
Vor dem Auftritt putsche er sich auf, erzählt er. Mit Koks? „Nein, mit schwarzem Tee.“ Der Komponist Jörg Widmann schrieb für ihn das Stück „Dunkle Saiten“. Doch abgesehen vom Tee und den Schattierungen mancher CD-Cover fallen Vogler partout keine dunklen Seiten ein.
Er liebt die todernsten Stellen in vermeintlich heiteren Schumann- und Beethovensonaten, er begeistert sich für die Höllenfahrt des Don Giovanni, die ihm in so vielen Stücken aufscheint. Aber eigene dunkle Seiten? Nein, er habe ein spannendes Leben, einen faszinierenden Beruf, eine gesunde Familie, sinniert er und wendet das Wort „glücklich“ hin und her, das Glücklichsein und das Glückhaben, luck, happiness, fortune.
Treue zum Instrument
„Selbst wenn ich nicht mehr Cello spielen könnte, würde ich etwas finden, was mich fasziniert“, sagt er und nippt am Johannisbeersaft. „Aber keine Angst, ich werde nicht dirigieren, in der Aufführung von Musik ist das Cello mein einziges Werkzeug.“ Viele Solisten treibt die Angst vor dem Alter, vor der Konkurrenz mit den jungen Klassik-Popstars ans Pult. Jan Vogler hat trotz der lässigen Ich-könnte-auch-anders-Antwort viel vor mit seinem Instrument. Heute morgen hat er Tonleitern geübt, oder besser: Klangmaßnahmen ergriffen. Der Klang soll sich permanent verändern, dem Ideal annähern. Vor zwei Jahren, als ihm sein Ton nicht mehr gefiel, suchte er sich eine neue hölzerne Lebensabschnittsgefährtin, eine glühendere, wärmere, kraftvollere. Klangsucher können grausam unsentimental sein: Er tauschte das Guerneri-Cello gegen ein Montagnana.
Die Tangos werfen ihn im Projekt Schwerelosigkeit scheinbar zurück. Die Tänze verlangen Erdung, schärfen das Körperbewusstsein.
Doch schon bald wird sein Cello wieder schweben, fast körperlos. Das Blackberry meldet sich. Die Familie naht. Morgen Abend wird er bei einem gemeinsamen Konzert mit seiner Frau in der Philharmonie zum Brahms-Flug anheben. Erst einmal taucht er mit den Kindern im Hotelpool ab.
Dr. Christiane Florin
HELL UND LEICHT SOLL ES SEIN - WELT AM SONNTAG
DEUTSCHER KLANG - was haben wir in den letzten Jahren nicht alles über ihn gehört! Dunkel und schwer soll er sein. Der Ton spreche spät an, der Übergang vom Schweigen zum Klingen sei vage. So redet Dirigent Daniel Barenboim, und so lässt er die Berliner Staatskapelle auch spielen, wenn es recht schön deutsch klingen soll. Aber Cellist Jan vogler - groß, flink und geschätzte 28 Jahre alt (in Wahrheit ist er 1964 geboren) - denkt anders über den deutschen Klang, zumindest bei seinem Violoncellospiel.
Hell sei das Tonideal der deutschen Schule im späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts gewesen. Man wollte das Cello aus dem tiefen Mulm herausholen, die Tonanfänge klar definieren, sich nicht reinschummeln in den Klang. Es ging um deutliches Sprechen auf dem Instrument. Schon Julius Klengel, zu Brahms' Zeiten Solocellist des Leipziger Gewandhausorchesters, habe dieses Ideal verkörpert und an seine großen Schüler Emanuel Feuermann und Gregor Piatigorsky weitergegeben. Jan Vogler sieht sich selbst in dieser Tradition. Bis heute liebt er den hellen ins Hohe ziehenden Ton. So richtig bewusst geworden ist Vogler seine Eigenart aber erst in New York, als er mit der starken französischen Schule konfrontiert wurde. Die Unterschiede haben weniger mit der Spieltechnik zu tun als mit dem Verhältnis zu Ausdruck. "Ich sah neulich im Metropolitan Museum of Arts in New York eine Ausstellung mit Porträts des deutschen Expressionismus. Da ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen, was den Unterschied zur französischen Schule ausmacht", sagt er, noch frisch von den Bildern begeistert. "Es geht bei den Prträts, wie in der deutschen Celloschule auch, immer gleich um Bekenntnisse und weniger um subtile Beschreibungen. Die deutschen Expressionisten schreien die Botschaft wirklich fast heraus."
Vogler ging 1998 nach New York. In Ost-Berlin aufgewachsen, mit 20 Jahren bereits als erster Solo-Cellist von der Staatskapelle Dresden engagiert, fragte er sich als Dreißigjähriger, ob das nun noch 35 Jahre so weitergehen soll. "Ich wollte ausprobieren, auf eigenen Füßen zu stehen. Oft habe ich mit Musikerkollegen hier im Osten am Küchentisch diskutiert, dass man sich der neuen Situation nach der Wende aktiv aussetzen müsse. New York schien mir in dieser Hinsicht die westlichste und extremste Stadt zu sein."
Seither lebt er in New York und bleibt doch Sachsen treu, wo er als künstlerische Leiter das renommierte Kammermusikfestival auf dem Jagdschloss Moritzburg führt. Seine Frau, die chinesische Geigerin Mira Wang, ist nicht selten mit ihm gemeinsam auf dem Podium. Ihre beiden Töchter, drei und sechs Jahre alt, wachsen in New York dreisprachig auf - und mit viel Musik. "Die Große spielt Geige. Und sie hat im Moment das Gefühl, es sei gar keine Frage, ob man ein Instrument spielt oder nicht, sonder vielmehr, welches Instrument man spielt. Alle Leute, die zu uns nach Hause kommen, bringen entweder eine Geige mit oder eine Bratsche oder spielen Klavier. Vielleicht denkt meine Tochter: Jeder Mensch spielt ein Intrument, und Musik gehört ganz normal zum Leben. Und ich bemühe mich gerade, dieses Bild überhaupt nicht zu korrigieren, auch wenn es vielleicht nicht die Wirklichkeit widerspiegelt."
Vogler fühlt sich in New York unerwartet herzlich aufgenommen. Er wurde sofort eingeladen, im Lincoln Center alle Cellosonaten von Beethoven zu spielen. Viele Freundschaften waren bereits vorab entstanden, beim Marlboro Festival für Kammermusik, zu dessen Gästen Vogler seit längerem gehörte. Der Gründer, Rudolf Serkin, einer der bedeutendsten Pianisten des 20. Jahrhunderts, war vor den Nazis aus Europa geflohen. "In Marlboro habe ich gemerkt, dass unsere ganze europäische Musikkultur im Zweiten Weltkrieg im Grunde nach Amerika abgewandert ist. Wer dem Krieg nicht zu Opfer fiel, ist in New York gelandet."
Da wundert es nicht, dass Vogler mit seiner neuen CD "My Tunes", einem kosmopolitischen Ideal huldigt. Sie versammelt Miniaturen für Cello und Orchester, die Vogler seit langem am Herzen liegen. Geografisch führen sie nach Sankt Petersburg - mit dem "Nocturne" von Tschaikowsky etwa - nach New York, wo der Film "Frühstück bei Tiffany" spielt, aus dem Henry Mancinis berühmter Song "Moon River" stammt. Deutsches, von Wagner und Bach, steht neben jüdischen Instrumentalgebeten von Bloch un Bruch.
"Meine Vorstellung ist immer noch, dass der Mensch intelligent genug ist, seine eigene Kultur in voller Authentizität zu leben und es dennoch schafft, mit anderen friedlich auszukommen", sagt Vogler. Und unbeirrbar zukunftsfroh setzt er hinzu: "Ich glaube nicht, dass durch Globalisierung verschwindet, was den Reiz des Kosmopolitismus ausmacht: der Genuss kultureller Unterschiede. In New York sehen Sie das deutlich. Die sprachlichen und kulturellen Differenzen bleiben erhalten. Kultur ist etwas sehr Starkes, das man gar nicht so leicht kaputt kriegt."
Jan Brachmann
PARKETTGLEITER - FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG
Einen Mann wie Jan Vogler ficht das alles nicht an. Er gehört zu der Handvoll Künstler, die offenbar ebenso virtuos mit dem Cellobogen hantieren können, wie wie sie mit dem Laptop Konzerte zu organisieren vermögen. Außerdem scheint er ein überaus flexibler Mensch zu sein, der nicht unbedingt in frühen Jahren schon das Musikerbeamtentum angestrebt hat. Als man ihm während des Cello-Studiums an der Hanns Eisler-Musikhochscttule 2u Berlin schon eine Stelle in der Dresdner Staatskapelle anbot, ließ er - gerade zwanzig Jahre alt - das Studium Studium und das Examen Examen sein und wechselte ans erste Pult von einem der ältesten Klangkörper Deutschlands, das heißt der musikalischen Welt. Aber als er nach einigen Jahren wusste, wie man in einem renommierten Orchester die Cello-Stimmen fährt, quittierte er den sicheren Dienst, um sich auf das glatte Parkett des Solisten zu begeben. Nicht ohne Erfolg, wie seine zahlreichen Schallplattenaufnahmen, etwa mit dem Cello-Gesamtwerk von Richard Strauss, beweisen.
Es wäre verwunderlich gewesen, hätte den Spross einer Berliner Musikerfamilie diese Tätigkeit auf Dauer wirklich befriedigt. 1993 schließlich, im Alter von neunundzwanzig Jahren, konnte er erstmals zeigen, dass er auch über außergewöhnliche Fähigkeiten fürs Management verfügte. Seit dieser Zeit leitet er das seither hochangesehene Kammermusikfestival auf Schloss Moritzburg bei Dresden, zudem noch eine Meisterkonzertreihe auf Schloss Albrechtsberg. Mittlerweile hat er, ganz seinem Naturell entsprechend, auch seinen ständiger Wohnsitz flexibel zwischen Dresden und New York aufgeteilt. Die große Reputation, die er seit langem schon auch in Amerika genießt, wird ihm sicher zugutekommen, wenn er Ende nächsten Jahren - wie es den Stadtvätern vorschwebt - von dem Dirigenten Hartmut Haenchen die Leitung der Dresdner Musikfestspiele übernehmen wird. Fragt sich nur, was er danach oder zudem noch tun wird. Denn bei Jan Vogler steht eines fest: dass er sich und die musikalische Welt bewegen wird.
Wolfgang Sandner
HEIMKEHRER AM CELLO - BERLINER MORGENPOST
Er gehört nicht zu jenen leichtsinnigen Zeitgenossen, die das Publikum durch Mainstream und Cross-over für die Klassik gewinnen wollen. Jan Vogler, der heute gemeinsam mit fünf Freunden im Kammermusiksaal auftritt, glaubt an den Ernst der Musik. Dieser Ernst kann durchaus heiter sein, ist aber seinem Wesen nach das Gegenteil von Entertainment. Es geht nicht darum, sich bei den Zuhörern durch nette Plattheiten oder schrille Frisuren anzubiedern, es geht darum, sie zu überzeugen, dass klassische Musik vor allem deswegen gross ist und einzigartig, weil sie bestimmten Regeln folgt. Man kann das konservativ nennen. Man kann es aber auch Niveau nennen.
Jan Vogler hat sein Niveau mit unzähligen Aufführungen und einigen ausgezeichneten Aufnahmen bewiesen. Er hat es immer verstanden, die Menschen für sich und sein Cello zu gewinnen. Als 20jähriger gewann er die Staatskapelle Dresden für sich, die ihn gleich als 1. Konzertmeister einstellte, dann gewann er Heinrich Schiff für sich, der ihm in Basel Unterricht erteilte, und schliesslich gewann er die Überzeugung, dass virtuose Selbstständigkeit besser ist als Orchesterdienst. Seit knapp zehn Jahren ist Vogler auf Tour, wobei er neben dem klassischen Repertoire auch die Meisterwerke der Moderne pflegt.
Voglers Wohnsitz ist zur Zeit New York, aber er hält sich genauso oft in Dresden auf. Dem Musikfestival Moritzburg fühlt er sich besonders stark verbunden, und das tun auch seine Mitstreiter, unter ihnen die Geigerin Viviane Hagner und der Klarinettist Jörg Widmann. Das Programm lockt mit der Suite aus “Figaro’s Hochzeit’ in einer Fassung für Streichquartett sowie mit Strawinskys Suite aus ‘Die Geschicht vom Soldaten’, ebenfalls bearbeitet, und zwar für Klarinette, Violine und Klavier. Höhepunkt ist Mozarts Divertimento Es-Dur KV 563. Da Jan Vogler auch ein ausgewiesener Kammermusiker ist, dürfte bei ihm das schönste und tiefsinnigste Trio der Musikgeschichte in besten Händen sein. Alles in allem ein seriöses, aber kurzweiliges Programm, mit dem Jan Vogler in seine Heimatstadt zurückkehrt.
Volker Tarnow
SAITENLIEBE - MADAME
Warum er auf den Covers seiner CDs oft so bärbeißig dreinschaut, wollen wir von Jan vogler wissen. Ist denn das Cellospiel für ihn Berserker-Arbeit? "Nein", wehrt er ab, "ich bin ein ganz freundlicher Mensch. Warum ich auf Fotos so überkonzentriert aussehe, weiß ich auch nicht. Und das Cello ist für mich keine Arbeit, sondern ganz einfach mein Projekt." Also Cello pur: "Ja, etwa so, wie ein Biochemiker sein Leben lang an einem bestimmten Enzym forschen kann. Wenn ich spiele, dann lade ich meinen Generator auf." Vielleicht sich ja Jan Vogler nach der Mikrobe guter Musik, so wie Curt Goetz seinen Dr. Hiob Prätorius nach der Mikrobe menschlicher Dummheit fahnden ließ? "Ganz konkret will ich erst einmal herausfinden, wie man aus diesem Stück Holz noch schönere, noch lebendigere Töne hervorlockt. Und daraus ergeben sich alle anderen Fragen wie von selbst - nach Technik, nach Stil, nach dem Zusammenspiel mit anderen Menschen."
Vogler und sein Cello sind auch der Mittelpunkt zweier Festivals: Das eine auf Schloss Moritzburg bei Dresden hat er begründet, um gemeinsam mit Freunden und Kollegen Kammermusik nach Herzenslust zu treiben. Und in Donaueschingen leitet er die neuen Fürstenberg Classics eher eine Ergänzung als eine KOnkurrenz zu den auf Uraufführungen spezialisierten Musiktagen dort, wie er findet.
Die Grundlagen wurden bei Jan Vogler, Jahrgang 1964, früh gelegt: Beide Eltern sind Orchestermusiker in Ostberlin, der Vater an der Komischen Oper, die Mutter im Berliner Symphonie-Orchester. "Morgens schleppte man mich mit in eine Probe, zu Hause bearbeitete ich nachmittags das Cello", erinnert er sich. Das Instrument hat er nicht selbst gewählt, sondern die Eltern, weil es am besten zu ihm passe. Er war ein pummeliges, lustiges und vor allem hyperaktives Kind. "Ich habe mich gleich mit dem Cello angefreundet. Da gibt es nette Geschichten: Man konnte mich nachts aufwecken und ans Cello setzen, da habe ich gespielt und anschließend gleich weitergeschlafen. Mein cello hat mir einfach Spaß gemacht", erzählt Jan Vogler. Als er zwölf ist, steckt man ihn in die beste Spezialschule für Musik, mit 20 bietet man ihm den besten Posten an, der in der DDR für einen Solisten zu haben ist: Solocellist der Staatskapelle Dresden, des Top-Orchesters im Lande. Denn Solisten-Karrieren gibt es nicht. Was ihn nicht davon abhält, immer häufiger als Solist aufzutreten. Aber erst 1997 gibt er mit einem weinenden Auge seine Position bei der "Kapelle" endgültig auf. Und noch immer ist Dresden neben New York seine zweite Heimat. In Amerika, beim Marlboro-Festival, hatten ihn seineAltersgenossen Christian Tetzlaff und Jushua Bell - als Geiger beide schon junge Star-Solisten - mit großen Augen gefragt, was denn einer wie er im Orchester treibe. "Erst da wurde mir klar, dass einzig und allein meine Entscheidung ist, wie bzw. ob ich überhaupt mein Leben als Musiker gestalte. Am wohlsten fühle ich mich in New York. Vielleicht arbeite ich da meine DDR-Vergangenheit auf. In New York lerne ich Dinge nach, die andere ganz selbstverständlich mitbekommen haben."
Jan Vogler lebt den deutsch-amerikanischen Spagat. Sowohl in der Familie - er ist mit der Geigerin Mira Wang, einer aus Shanghei stammenden Amerikanerin, verheiratet und Vater zweier Kinder im Alter von zwei und vier Jahren - wie auch als Musiker. Seine hinreißend gelungene Aufnahme des "Don Quixote" von Richard Strauss wollte er unbedingt mit seinen alten Kollegen von der Staatskapelle Dresden, Hort aller Strauss-Pflege, realisieren. Für die Einspielung von Dvoráks Cellokonzert, die im September erscheint, klopfte er seine Plattefirma so lang weih, bis sie ihm das New York Philharmonic Orchestra spendierte. "Nicht nur, weil das Stück in New York geschrieben wurde, sondern weil die New Yorker das ideale Orchester für Dvorák sind: hervorragender Rhythmus, sehr romantisches Gefühl, aber nicht romantisch im Klang."
Dabei hat Jan Vogler zu Platteneinspielungen ein sehr aufgeräumtes Verhältnis. Interpretationen seien Zeitdokumente, meint er: "Die wenigsten können nach zehn Jahren noch bestehen, die meisten findet man dann grausig. Geschichte wird nur mit ganz wenigen Aufnahmen geschrieben." Er überlegt einen Moment und präzisiert: "Eigentlich muss eine gute Interpretation ihrer Zeit sogar ein Stück vorraus sein, muss bündeln, was an Strömungen in der Luft liegt, wohin sich eine Generation bewegt. So wie Madonna ihr "Die Another Day" eben schon vor dem 11. September gesungen hat. Oder Harnoncourt mit seinem Monteverdi-Zyklus der gesamten Beschäftigung mit alter Musik plötzlich einen Fokus gab." Für einen Vollblutmusiker wie Jan Vogler endet die Wahrnehmung eben nicht beim eigenen Instrument, übrigens einem ganz wunderbar klingenden Joseph filius Andrea Guarneri von 1712.
"Immer wenn es erotisch wird, muss das Cello ran", witzelte Avantgarde-Cellist Siegfried Palm. Für Jan Vogler ist der Celloklang Eros pur, und er kultiviert den androgynen Charakter seines Instruments: mal polternder Bariton, mal schmeichelnde Verführerin. Vor allem in den USA fand man in Voglers Spiel die fast vergessene deutsch Cello-Schule wieder. "Schule in der Musik ist wie eine Sprache", erklärt Jan Vogler, "man sollte sie beherrschen, aber sich nicht von ihr beherrschen lassen - und sie auch nicht verwässern. Es geht darum, sich auf dieser Basis selbst frei auszdrücken." Wieder ist Jan Vogler bei dem Thema, um das es ihm im Innersten geht. Selbstverwirklichung greift dafür als Schlagwort zu kurz. "Wie man mit sich selbst klarkommt, wie man seinen Weg im Leben findet, das ist doch der wesentliche Punkt. Das mögen Fragen sein, die schon Sartre gestellt hat. Aber beantworten muss sie doch jeder für sich selbst."
Reinhard Beuth
EINMISCHUNGEN - MUSIK & THEATER
Eine Trendwende im hergebrachten klassischen Musikbetrieb ist notwendig. Davon ist der 1964 in Berlin geborene deutsche Cellist Jan Vogler, der heute sowohl in Dresden als auch in New York seinen Wohnsitz hat, überzeugt. Ein Musiker mit klaren Vorstellungen und Ideen auf seinem Instrument – aber auch, wie ein verkrusteter Betrieb mit frischem Sauerstoff versorgt werden kann.
M&T: Von Ihnen kursiert die Bemerkung: „Ich spiele 24 Stunden am Tag Cello“. Jan Vogler, wie extrem sind Sie?
Jan Vogler: Das ist natürlich eine Übertreibung. Aber ich liebe das Cellospiel tatsächlich. Noch vor fünf Jahren fragte ich mich, ob ich mit Cello spielen mein ganzes Leben verbringen möchte. Meine Antwort war eindeutig: ja. Das Cello ist für mich eine ständige Aufgabe. Ich versuche herauszufinden, wie diese Teile aus Holz und die darauf gespannten Saiten noch besser klingen können.
M&T: Pflegen Sie ein besonderes Klangkonzept?
Jan Vogler: Sicher. Doch das ändert sich von Zeit zu Zeit. Man muss sein Klangkonzept jede Dekade einmal überprüfen, sonst welkt es dahin. Derzeit interessieren mich besonders Gesang und Rezitation als Spieltechnik. Da rückt jener Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert ins Blickfeld, als die Artikulation, die bei Bach stark ausgeprägt war, sich über Haydn und Schumann zum Gesang veränderte. Modell dafür war zweifellos die menschliche Stimme. Die Artikulation ist analog zu Vokalen und Konsonanten konturiert. Beim Cello-Gesang wird diese Qualität auf den Beginn einer Phrase beschränkt, wenn man etwa eine Note als Nasal oder Vibrant intoniert, doch dann folgt die Gestaltung des Tones. Da eröffnen sich tausend Varianten. Und das beschäftigt mich im Moment sehr im Kontext der deutschen Spätromantik. Da hat das Cello durch diese unbegrenzten Melodien eine völlig neue Funktion bekommen.
M&T: Wie suchen Sie die Möglichkeiten solcher stilistischer Erweiterungen zu entwickeln und umzusetzen?
Jan Vogler: Durch meine Konzentration auf ein neues Forschungsgebiet. Das kann eine Stilepoche sein, mit der man sich allerdings einige Jahre beschäftigen muss, sonst bleibt man an der Oberfläche.
M&T: Ergeben sich da jeweils Wechselwirkungen zu Dingen, die Sie zuvor beschäftigt haben?
Jan Vogler: Auf jeden Fall. Ich denke, dass es sinnvoller ist, sich chronologisch in der Musikgeschichte zu bewegen, von einer früheren zu einer späteren Epoche, als umgekehrt. Wenn man das 18. und 19. Jahrhundert gut kennt, fällt es einem leichter, auch die zeitgenössische Musik zu verstehen. Selten bezieht die zeitgenössische Musik sich ja auf das 20. Jahrhundert, hingegen sehr oft auf die philosophischen Ideale des 18. und 19.Jahrhunderts.
M&T: Sie haben einmal die Meinung geäußert, das Cellokonzert von Dvorák werde zu „tschechisch“ gespielt. Wer kann denn über „konkrete“ Lesarten eines Werkes entscheiden?
Jan Vogler: Ich werde nie beanspruchen, etwas als richtig oder falsch zu beurteilen. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass das Werk entstand, kurz bevor Dvorák nach Tschechien zurückkehrte, und es ist für mich ganz klar von amerikanischer Musik beeinflusst. In New York hat Dvorák fast nur Stücke geschrieben, die intensiv beobachten, was er dort kennen lernte, auch wenn darin genauso Erinnerungen an seine Heimat verarbeitet werden. Eigentlich wird in diesem Stück immer die Kantilene pointiert; wenn ich jedoch die Partitur ganz unbefangen lese, erkenne ich darin sehr viel amerikanischen Rhythmus. Wahrscheinlich werde ich das Cellokonzert bald mit den New Yorker Philharmonikern aufnehmen, also mit einem amerikanischen Orchester, und mit einem Dirigenten, der bereit ist, diese Ritardandi zu ignorieren. Ich glaube, dass man das Cellokonzert von Dvorák so auf neue Weise entdecken kann.
M&T: Wie entwickeln Sie eine Beziehung zu einem Werk?
Jan Vogler: Zunächst intuitiv. Es gibt auch Stücke, mit denen man sich jahrelang befasst und trotzdem keine Affinität zu ihnen gewinnt. Aber gerade dadurch kommt man weiter – bis man vielleicht irgendwie einen Hinweis findet, wie diese Musik zu verstehen sein könnte. Das lässt sich mit wissenschaftlicher Forschung vergleichen.
M&T: Also reflektieren die Werke, die Sie spielen, etwas von Ihrer Persönlichkeit?
Jan Vogler: Ja. Wahrscheinlich viel mehr als das diffuse Gefühl, Medium eines Komponisten zu sein, was ich mir auch nie anmaßen würde. Es ist letztlich immer die eigene Fantasie, die angeregt wird, und auch der Impuls für die Aufgabe, dem Publikum ein Werk nahe zu bringen.
M&T: Das deutsche Repertoire hat für Sie wesentliche Bedeutung. Hat sich das durch das
Studium in Leipzig ergeben?
Jan Vogler: Erst als ich 1998 nach New York kam, bin ich auf die deutsche Celloschule aufmerksam gemacht worden. Da haben alle gesagt, du spielst noch so deutsch. Ich dachte zuerst, das wäre eine Beleidigung. Aber damit war gemeint, dass ich wie die Repräsentanten eines Interpretationsstiles spiele, der aus Leipzig stammt. Ich hatte Unterricht bei meinem Vater Peter Vogler und bei Josef Schwab, beide standen in der ungebrochenen Tradition einer Schule, die in den 1920er Jahren von Julius Klengel und seinem Schüler Emanuel Feuermann in Leipzig begründet worden war. Daher zunächst deutsches Repertoire, aber inzwischen befasse ich mich auch mit französischer Musik und versuche auch, neue Interpretationstechniken zu entwickeln.
M&T: Hat sich dieser Stil auch auf die Aneignung von Werken ganz anderer Herkunft ausgewirkt?
Jan Vogler: Eine bestimmte Interpretationsrichtung gehört zu meiner Identität und ist daher jeweils festgelegt. So pflege ich ein individuelles Tonideal: Mir liegt der fette und dunkle Ton nicht, vielmehr bevorzuge ich einen lichten, hellen Celloton. Dadurch ist interpretatorisch schon einiges vorentschieden. Ich wechsle nicht willkürlich meine Überzeugungen als Interpret.
M&T: Sie haben ein besonderes Interesse für Musik entwickelt, die in der Emigration entstanden ist. Warum?
Jan Vogler: Mir imponiert, ohne zynisch sein zu wollen, das enorme Adrenalin, was vielen Komponisten in den USA half, noch einmal ganz neu anzufangen. Sie haben eine unglaubliche schöpferische Kraft in der Emigration entfaltet, die bis in die Nachkriegszeit wirkte. Der wichtigste Punkt ist allerdings, dass unsere, durch den Zweiten Weltkrieg verlorene Kultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Amerika, in den Emigranten überlebt hat. Deshalb war es für mich ein folgenreiches und wichtiges Erlebnis, dass ich dort so viele Überlebende aus Wien oder aus Berlin und sogar aus dem zerstörten Warschauer Ghetto getroffen habe. Diese Möglichkeit hätte ich niemals in Deutschland gehabt.
M&T: Die klassische Musik ist in der Krise, sowohl in Bezug auf reguläre Konzertreihen wie auch beim Umsatz der Plattenfirmen. Sie arbeiten für eine Trendwende...
Jan Vogler: ... Sie haben wohl Recht, trotzdem ist mir die Krise der klassischen Musik nicht so bewusst. Alle Musiker, die ich kenne, sind mehr als beschäftigt. Wenn das eine Krise sein soll, dann ist es eine schöne Krise. Aber es gibt schon einige Probleme zu bedenken, etwa das Ambiente: Neben wunderschönen Abo-Konzerten gibt es aber auch schreckliche Szenen in neon-beleuchteten Räumen mit routiniert spielenden Musikern. Wenn wir nicht zumindest versuchen, das Publikum bei jedem Konzert wirklich zu begeistern, laufen wir Gefahr, dass die Leute sich abwenden. Es gibt ja genug andere Zerstreuungen, als in ein Konzert zu gehen. Aber viele meiner Kollegen arbeiten doch mit Elan daran, dass klassische Musik, ganz pauschal gesagt, wieder als ein unverzichtbares Erlebnis wahrgenommen wird.
M&T: Dennoch sind in den letzten zehn Jahren in ganz Europa viele kammermusikalische Veranstaltungen, aber auch einst gut frequentierte Festivals und Konzertreihen mangels ausreichender Budgets eingegangen.
Jan Vogler: Nun, es gibt auch Finanzierungsmöglichkeiten, die nicht so krisenanfällig sind, man muss sie nur suchen. Meine Vision ist, dass man mit Freundeskreisen und Fördervereinen die Lasten verteilen kann. Da sind große Firmen beteiligt, einige private Mäzene und andere Sponsoren, die das Budget für einen Zeitraum festlegen. So kann man langfristiger planen. Es wird sich wohl beim Trend, Kulturetats zu kürzen, nicht vermeiden lassen, dass sich die Mitglieder der Gesellschaft wieder mehr für ihre Kultur stark machen wie im 19. Jahrhundert der bürgerliche Salon. In diesem Sinne müssen wir wieder aktiver werden. Wir Künstler müssen Alternativen zur Praxis der Agenten suchen, die uns mit Konzertterminen versorgen, zu denen wir hinfahren und so gut wie möglich spielen.
M&T: Sie fordern also von den Musikern, ihre Rolle im Musikbetrieb neu zu überdenken?
Jan Vogler: Genau. Diese Rolle, in der wir jetzt noch denken, war in den USA und Deutschland etwa von 1970 bis 1990 etabliert, eine Periode mit wechselndem Einfluss der Agenten. Die Emigranten waren im Gegensatz dazu in einer so schlechten Situation, dass sie kämpfen mussten, um überhaupt spielen zu dürfen. Sie waren dann aber so erfolgreich, dass die nächste Generation darauf aufbauen konnte. Das waren zwei Jahrzehnte der Musikgeschichte. Mehr nicht. Wir müssen wieder lernen, uns selbst zu vermarkten, allerdings ohne unser Fach zu verlassen. Ansonsten wird man als Musiker angreifbar. Dann könnte mir die Zeit zum Cello spielen fehlen, und das wäre fatal.
Hans-Dieter Grünefeld
DER FUNKE MUSS ÜBERSPRINGEN - CRESCENDO
Vogler: Es hat einen völlig eigenen Charakter. Das Cello ist vor allem ein Instrument auf dem man singen und sehr viel mit Farben spielen kann, um die "Seele der Musik" zu erfassen. Es schafft so eine Art Klangskulpturen, und das mag ich.
Crescendo: Sie haben ja kurzzeitig mal ein Stradivari-Cello gespielt.
Vogler: Ich habe mal für ein Jahr das Cello zur Verfügung gestellt bekommen, auf dem das Brahms-Doppelkonzert uraufgeführt wurde, das Cello von Robert Hausmann vom Joachim-Quartett. Anschließend wurde es für einen astronomischen Preis verkauft, und ich bin wieder zu meinem Guaneri-Cello zurückgekehrt. Das passt vielleicht auch eine Spur besser zu mir. Es ist etwas rauher, während die Stradivari-Celli eher glatt sind und sehr poliert klingen.
Crescendo: Wie wichtig ist denn überhaupt das Instrument?
Vogler: Das macht maximal drei oder vier Prozent aus. Natürlich ist der Unterschied zwischen sehr guten und ausgezeichneten Musikern auch sehr klein, und da braucht man schon ein sehr gutes Instrument. Aber es werden heute auch sehr gute neue Instrumente gebaut. Das wichtigste ist, dass sich eine Partnerschaft mit dem Instrument entwickelt. (Das) braucht sehr viele Jahre, um ein Instrument so gut kennenzulernen, dass man wirklich jede Ecke ausloten und spezielle Facetten darstellen kann. Mein Guarneri-Cello und ich, wir sind ein Team.
Crescendo: Sie haben nur dieses eine Cello?
Vogler: Nur dieses Cello, das spiele ich eigentlich 24 Stunden.
Crescendo: Sie hatten lange die begehrte Stelle des ersten Solo-Cellisten in Dresden inne. Warum haben Sie dort wieder aufgehört?
Vogler: Ich habe mit der Zeit gemerkt, dass mir das 'Einzelkämpferdasein ' liegt. Ich habe dann ein Urlaubsjahr genommen, um den Kopf frei zu bekommen und zu sehen, ob ich auch solistisch Fuß fassen könnte. Die Entscheidung zu kündigen fiel mir dann eigentlich leicht. Trotzdem war der Weg über Dresden für mich ein Glücksfall. Hätte ich mich direkt nach dem Studium entschieden, Solist zu werden, wäre es sicher schwieriger geworden. Mir hat es geholfen, die gesamte Orchester-Literatur zu kennen.
Crescendo: Aber ein richtiger Einzelkämpfer sind Sie nicht, denn sie machen ja auch gern Kammermusik.
Vogler: Aber nur relativ wenig, weil mir die Zeit dafür fehlt. Dabei ist das Musizieren zu mehreren für mich wie ein Aufladen meiner Batterie. Beim solistischen Spiel zehrt man eher von den eigenen Reserven. Andererseits muss gute Kammermusik viel geprobt werden. Eine Woche Kammermusik ist viel probenintensiver als eine Woche mit dem Dvorak-Konzert.
Mein Kammermusik-Festival in Moritzburg ist aus diesem Bedürfnis entstanden in einer völlig ungestörten Umgebung sehr intensiv, und mit viel Zeit, an den großen Werken der Kammermusik zu arbeiten.
Crescendo: In Ihrer Diskographie dominieren Werke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Vogler: Ja, das interessiert mich auch sehr. Wir haben die Vorstellung, dass in den 20er Jahren die Wiener Schule alles dominierte und sich aus ihr die Avantgarde entwickelt hat. Aber das ist viel zu eindimensional. Es gab noch eine andere Richtungen, die genauso stark waren.
Crescendo: Wie entwickeln Sie da Ihr Repertoire?
Vogler: Die Emigrantengeschichte interessiert mich sehr. Durch den Zweiten Weltkrieg hat Europa kulturell wahnsinnig viel verloren. Sämtliche Traditionslinien wurden unterbrochen, alles sammelte sich in Amerika, besonders in New York, wo Emigranten aus der ganzen Welt eine neue Kultur begründet haben. Deshalb fasziniert mich auch New York so. Und daher suche ich auch nach unbekannten Stücken aus dem 20. Jahrhundert. Mittlerweile habe ich eine Liste von über 20 Cellokonzerten, die ich noch spielen möchte. Das sind teilweise wirklich gute Stücke und es ist noch nicht entschieden, wie die sich einmal einordnen werden.
Cresendo: Sind Sie da auf dem Weg zum Spezialisten?
Vogler: Das wär mir auch zu wenig, wir leben ja schließlich in der Gegenwart. Ich finde die Kombination interessant, dass man sagt, wie kann man die alten Werke neu entdecken, wie kann man in der Musik des 20. Jahrhunderts noch ein bisschen aufräumen und gucken, ob da nicht noch was übriggeblieben ist. Und dann ist da natürlich unsere Zeit, in der wir leben.
Crescendo: Wie beurteilen Sie da die Qualität?
Vogler: Ich denke, es gibt gerade jetzt viele interessante Sachen. Und außerdem hat man als Interpret auch eine Verpflichtung. Sonst könnte man seine Existenz nur damit rechtfertigen, nach einer neuen Interpretation der bekannten Werke zu suchen - das ist mir nicht genug.
Crescendo: Haben Sie das Gefühl, dass die Veranstalter zu wenig Mut haben?
Vogler: Ich glaube, es ist für niemanden einfach, 'unpopulär' wirkende Programme zusammenzustellen. Da braucht es sehr, sehr viel Einsatz. Das ist überhaupt die Schlüsselfrage. Ich denke, der Enthusiasmus und der persönliche Einsatz der Interpreten und Veranstalter sind das wichtigste. Als Interpret studiere ich ein Stück, und dann verliebe ich mich schnell in irgendeine Passage oder eine Farbe. Fast jedes neue Stück mit einem gewissen Niveau hat seine Qualitäten, die man als Interpret schnell zu schätzen lernt, während das Publikum sie bei einer Aufführung vielleicht gar nicht alle begreifen kann. Aber als Interpret muss man versuchen, es so überzeugend zu spielen, dass der Funke überspringt.
Crescendo: Sie haben ja vor kurzem das Cellokonzert von Jörg Widmann uraufgeführt. Kann man ein Stück "pushen"?
Vogler: Das ist nicht leicht. Man hat sein Repertoire, ich habe vielleicht 25 Cellokonzerte im Angebot, und die Auswahl erfolgt ausschließlich durch die Veranstalter.
Crescendo: Sie stellen kein Saison-Repertoire auf?
Vogler: Nein, ich brauche die Abwechslung. Aber allein dadurch, dass ich das Dutilleux-Konzert oder den Schönberg ins Repertoire nehme, haben die Veranstalter die Möglichkeit, überhaupt zu sagen: Gut, das machen wir mal. Dann bekommt man vielleicht auch einen gewissen Ruf und wird öfter mit diesem Repertoire eingeladen.
Crescendo: Und wie sieht's mit historischer Aufführungspraxis aus?
Vogler: Ich würde nicht auf einem Barockcello spielen, und ich denke, dass die Protagonisten der Alten Musik auch schon sagen: Es ist eigentlich egal, ob man ein modernes oder ein altes Instrument nimmt. Viel wichtiger ist, wie man die Sache umsetzt. Man muss nicht unbedingt Darmsaiten auf sein Instrument spannen, um einen Haydn interessanter und spannender zu spielen.
Crescendo: Aber mit den alten Techniken setzen Sie sich auseinandersetzen?
Vogler: Ja, natürlich. Phrasierung, Dynamik, Klang, Vibratotechniken - oder eben kein Vibrato - diese Dinge sind zehnmal wichtiger. Außerdem kann man ein altes Instrument in einem großen Saal nicht einfach klingen lassen, man muss übersetzten, zeichnen. Und diese Zeichnung kann man sowohl auf einem alten Instrument als auch auf einem neuen machen.
Crescendo: Wie gehen Sie denn an ein neues Stück heran? Hören Sie sich die Aufnahmen von Kollegen an?
Vogler: Das ist eigentlich der letzte Schritt. Ich hab mich schon manchmal geärgert: Hättest du dir die Aufnahme vorher mal angehört, der hat hier doch so eine schöne Idee gehabt. Aber natürlich macht es viel mehr Spaß, im Notentext zu graben, völlig klar.
Crescendo: Haben Sie bestimmte Arbeitsphasen im Jahr, in denen Sie sich neue Stücke erarbeiten?
Vogler: Inzwischen fahre ich immer zweigleisig, ich habe immer etwas Neues auf der Wartebank.
Crescendo: Lernen Sie alle Stücke auswendig?
Vogler: Die meisten. Aber die endgültige Entscheidung fälle ich oft erst eine Woche vor dem Konzert. Neue Musik auswendig zu spielen, ist natürlich toll. Wenn aber irgendwas passiert, kann man eine Menge durcheinanderbringen. Es ist ja überhaupt interessant, dass wir in letzter Zeit unglaublich intolerant geworden sind gegenüber technischen Pannen. Und das hängt nicht nur mit der CD zusammen. Die Ausbildung ist heute einfach sehr gut, und jeder, der sich im Musikbetrieb hält, kann sein Instrument wirklich gut spielen. Das hebt natürlich unsere Ansprüche auch für kleinste Konzerte. Man erwartet heutzutage von dem Interpreten eine unglaubliche Perfektion - in möglichst jedem Konzert. Nur hat das mit Musik überhaupt noch nichts zu tun, es ist noch nicht mal die Grundlage von Musik.
Crescendo: Muss man also immer auf Nummer sicher gehen?
Vogler: Das wäre sehr schade. Wenn ich mich nicht ganz wohl fühle, dann trete ich meist die Flucht nach vorne an - das ist eine Frage des Typs - und spiele mit noch mehr Risiko. Ich persönlich finde auch die Kollegen interessanter, die große Risiken eingehen. Und komischerweise spielen die am Ende oft nicht weniger perfekt.
CELLIST MIT SENDUNGSBEWUSSTSEIN - FONO FORUM
Sie haben als musikalisch hochbegabtes Kind das Ausbildungs- und Förderungssystem der ehemaligen DDR durchlaufen. Wie wurde dort unterrichtet?
Jan Vogler
Zwischen dem 12. und 17. Lebensjahr besuchte ich die Spezialschule für Musik in Ostberlin, die an die Hochschule Hanns Eisler angegliedert war. Eine Schule mit Internat, in der der Musikunterricht schon von Professoren der Hochschule erteilt wurde. Es herrschte dort eine sehr intensive Atmosphäre, die Lehrer waren extrem an Musik interessiert. Wir hatten mehrmals in der Woche Unterricht. Es gab einen intensiven Austausch auch über Kunst allgemein. Wir haben uns gegenseitig vorgespielt und sind jeden Abend ins Konzert oder ins Theater gegangen. Eine schöne, sehr ergiebige Zeit.
NH
Also hatte diese Ausnahmesituation auch gewisse Vorteile?
JV
Wir waren abgeschottet durch die politische Situation. Da war die Musik etwas, worauf man sich extrem konzentrieren konnte. Wir hatten zwar nicht das ganze "Know How" der westlichen Welt. Man konnte ja nicht einfach zum Studium nach New York oder Bloomington gehen. Wir haben versucht, durch Aufnahmen und Literatur den Kontakt nach außen zu halten. Wir hatten auch Platten aus dem Westen, Aufnahmen von Heifetz, Oistrach oder Rostropowitsch waren bekannt. Man hat sich diesen Einflüssen nicht verschlossen, musikalisch war alles offen. Was spannend war, ging in den Unterricht ein. Jede Aufführung, jede Platte, die jemand aufgetrieben hatte. Die Lehrer waren auch keine linientreuen Leute. Die hatten das extreme Gefühl, etwas zu verpassen. Dass die Entwicklung da stattfand, wo sie nicht dabeisein konnten. Das hat man versucht zu kompensieren.
NH
War die Ausbildung in dieser Isolierung nicht zwangsläufig sehr konservativ?
JV
Sicher. Mit sehr viel Engagement wollten unsere Lehrer die musikalischen Ideale der alten deutschen Schule vermitteln. Die Wurzeln waren in Leipzig, vor allem bei Julius Klengel, der u. a. Emanuel Feuermann unterrichtete. Meine beiden Lehrer, Peter Vogler und Josef Schwab, hatten noch Unterricht bei August Eichhorn, einem Schüler von Feuermann. Die von Andre Navarra geprägte französische Celloschule, die auch die westdeutsche Schule stark beeinflusst hat, kannte man gar nicht.
NH
Sie haben noch eine kurze Zeit an der Hochschule Hanns Eisler studiert und dann sofort die Stelle als Solocellist bei der Dresdner Staatskapelle angenommen. Zum eigenen Erstaunen?
JV
Es kam ein Brief aus Dresden, ob ich nicht vorspielen wollte. Seit zwölf Jahren war dort eine Solostelle frei. Die Orchester haben direkt Kontakt zu den Hochschulen gehalten und sich dort umgehört. Ich bin zu einem "informativen" Vorspiel, nicht zu einem regulären Probespiel, nach Dresden gefahren und habe dann völlig überraschend die Stelle bekommen. Mein Leben änderte sich über Nacht völlig. Ich habe mein Studium abgebrochen und bin nach Dresden gegangen. Aber es war völlig normal im damaligen Ausbildungssystem der DDR, mit 20 das Studium zu beenden. Wir wurden fast ausschließlich von Orchestermusikern ausgebildet, es gab kaum Solisten in der DDR. So war es auch das Ziel, die möglichst beste Orchesterstelle zu bekommen. Und eine Solostelle in der Staatskapelle war das Höchste, was man damals erreichen konnte. Die Position hat mich sehr gereizt, und gewartet hätte sie vielleicht doch nicht.
NH
Sie haben aber den Orchesterdienst dann noch einmal unterbrochen, um bei Heinrich Schiff zu studieren...
JV
Mit der Staatskapelle ging es sofort auf Tournee nach Amerika, wo ich auch als Solist auftrat. Dort sah ich die Studenten auf dem Campus, wie sie gelesen und gelernt haben. Und da bekam ich Lust, noch einmal zu studieren. Es gelang mir, 1989 ein Urlaubsjahr durchzusetzen. Ich kannte Heinrich Schiff von einem Meisterkurs und habe ihn um Unterstützung gebeten. Er half mir, für ein Jahr nach Basel zu kommen. Ich wollte etwas nachholen, technische Dinge, gewisse gestalterische Freiheiten. Wir waren daran gewöhnt, sehr diszipliniert und textgenau zu sein. Im selben Jahr war ich auch beim Marlboro Festival bei Siegfried Palm. Ich lernte Rudolf Serkin und die Mitglieder des Guarneri Quartetts kennen. Und habe gemerkt, was es in der Musikwelt noch alles gibt.
NH
Sie waren zehn Jahre Solocellist der Dresdner Staatskapelle. Was hat Sie bewogen, das Orchester 1997 zu verlassen?
JV
Die ersten fünf Jahre im Orchester habe ich an nichts anderes gedacht. Auch das Studium bei Heinrich Schiff war nicht darauf ausgerichtet, Solist zu werden. In Marlboro traf ich dann Leute, die durch die Welt reisten und unabhängig waren. Ich war der Einzige, der eine feste Stelle hatte. Allmählich spielte ich immer mehr solistisch, 1988 auch als "Einspringer" für Heinrich Schiff das Schumann-Konzert in Berlin, noch bevor ich bei ihm studierte. Stück für Stück kamen dann solistische Erfahrungen; und ich fand Gefallen daran, allein zu kämpfen und künstlerische Verantwortung zu tragen. Es hat noch einmal fünf Jahre gedauert, bis ich mir wirklich sicher war. Gegen den Rat sämtlicher Freunde und Bekannten habe ich diese Entscheidung getroffen. Giuseppe Sinopoli unterstützte mich in meinem Entschluss. Es war nicht leicht, diese sichere Position aufzugeben. Stück für Stück bin ich dann in die neue Aufgabe hineingewachsen.
NH
Welche Erfahrungen haben Sie aus dem Orchester in die solistische Karriere mitgenommen?
JV
Im Orchester habe ich natürlich extrem viel gelernt. Alle großen Dirigenten kamen nach Dresden. Ich erlebte die Ersten Geigen in Bruckner-Sinfonien und dachte: So möchte ich auch einmal phrasieren. So ein Orchester kann Dinge, die man sich als Solist sehr gut abschauen kann. Eine ganze Geigengruppe kann nie so falsch phrasieren wie einer allein. Mir war klar, dass es sehr schwer sein würde, eigene Interpretationen zu schaffen, die mindestens auf dem Niveau eines sehr guten Konzertes der Dresdner Staatskapelle liegen. Die gleiche emotionale Dimension allein zu erschaffen, war eine riesige Umstellung und Herausforderung. Was ich auch konkret mitnehmen konnte, war natürlich die Erfahrung mit diesem großen Volumen an Literatur aus Oper und Sinfonik. Als Solist hätte ich ohne diesen Hintergrund keine Chance gehabt. Für mich war es der richtige Weg. Ich glaube nicht, dass ich Zeit verloren habe.
NH
Und dann wagten Sie auch noch den Sprung nach NewYork...
JV
Ich brauchte ein Umfeld wie New York, um zu sehen, wo ich stand. Was wird eigentlich gespielt, wie ist das Weltniveau, auf dem man sich zurechtfinden muss? Ich habe davon gelebt, dass ich etwas Besonderes mitbekommen hatte durch meine Ausbildung und die Zeit in der Dresdner Staatskapelle. Und mit dieser Prägung bin ich ganz gut gefahren. Schon ein Jahr vorher hatte ich eine amerikanische Managerin kennen gelernt, die mir anbot, mich zu vertreten. Das war Glück ich kam nach Amerika und konnte gleich auftreten! Im November 1998 spielte ich dann sämtliche Beethoven-Cellosonaten im Lincoln-Center mit Andrea Lucchesini. Und die New York Times schrieb eine sehr gute Kritik. Das hat mir sehr geholfen, denn noch am selben Tag kamen per e-mail Konzertangebote.
NH
Und Europa?
JV
Da ist Berlin meine Glücksstadt, neben Dresden. In Berlin spiele ich immer wieder Orchesterkonzerte und Recitals.
NH
Wo liegen Ihre Repertoire-Schwerpunkte?
JV
Nach den Orchesterjahren war mein Interesse für Sonaten natürlich besonders groß. Ich habe mich zunächst intensiv mit den Beethoven-Sonaten beschäftigt, die auch das erste größere Plattenprojekt wurden. Zusammen mit Schumann. Das waren meine Lieblingskomponisten zwischen 20 und 30, mit denen ich förmlich aufgewachsen bin.
NH
Ihre Repertoireliste verzeichnet auch die Standardwerke des 20. Jahrhunderts. Gibt es da persönliche Vorlieben?
JV
Das Ligeti-Konzert und auch Werke wie Schnittkes Konzert Nr. 1 müssen jetzt fest in unserem Repertoire verankert sein. Das sind Werke, die ich als gleichwertig neben das Dvorák-Konzert stelle. Oder Brittens Cello-Sinfonie, ein schweres, aber sehr dankbares Stück. Auch im 20. Jahrhundert ist die Stilistik scharf umrissen. Ich halte auch Hindemith für sehr bedeutend. Man darf ihn nur nicht glätten, er muss extrem kantig klingen. In seiner Härte ist er etwas der Beethoven des 20. Jahrhunderts. Und das können wir noch entdecken.
NH
Jörg Widmann hat ein Cellokonzert für Sie geschrieben, das Sie letztes Jahr uraufgeführt und dann zusammen mit dem Schumann-Konzert aufgenommen haben. Was zeichnet seine Musik aus?
JV
Es ist ein großdimensioniertes Werk von 45 Minuten Länge und extremer Besetzung mit vier Hörnern und großem Schlagzeug. Formal ist es wie eine Art Sinfonie in einem Satz. Zwei Frauenstimmen ersetzen das Cello in längeren Passagen. Es ist ein Stück, das die Grenzen der Emotionen austestet, vor allem die dunklen Seiten. Es gibt keine Pause, und das Cello spielt die ersten 35 Minuten ununterbrochen, was auch rein physisch eine Erfahrung ist. Stilistisch hat das Werk keine zeitgenössische Parallele. Vom Gestus her ist es ein romantisches Stück, im Sinne des 21. Jahrhunderts natürlich. Das finde ich spannend. Jörg Widmann ist auf dem Weg, eine ganz eigene Musiksprache zu entwickeln, die mir sehr nahe ist.
NH
Wie könnte das Konzertleben in Zukunft aussehen? Wird die "ernste Musik" nicht immer mehr zu einer Oase für eine elitäre Minderheit?
JV
Ich glaube stark an eine Umkehrung. Ich sehe sie zunächst bei den Musikern, die letztlich verantwortlich dafür sind, wie sehr sich das Publikum für Musik interessiert. Wir haben eine Schlüsselrolle. Es muss eben jedes Konzert so spannend sein, dass die Leute wieder süchtig werden nach Musik. Mit "Entertainment" und "Open Air" ist es nicht zu machen, nur mit extremer Ernsthaftigkeit. Kunst hat immer dann bewegt, wenn sie extrem ernsthaft und groß dimensioniert war, wenn es um tiefe Gefühle ging. Wir können Leute mit Bergs Violinkonzert, wenn es hervorragend gespielt wird, genauso bewegen wie mit einem großen Theaterstück oder Kunstwerk. Ich habe immer noch dieses etwas verquerte Sendungsbewusstsein: Ich möchte die Musik gern jedem zeigen. Es ist sicher nicht leicht, aber ich versuche es an allen Fronten. Mit Widmanns Cellokonzert, mit Schnittke oder mit den Beethoven-Sonaten. Und bin froh, wenn es wenigstens in einem Bereich gelingt und das Publikum das Gefühl hatte: Wir waren dabei, es hat sich etwas ereignet an diesem Abend.
RICHARD STRAUSS - DIVERSE ZITATE 2004
Sächsische Staatskapelle Dresden, Fabio Luisi
Sony Classical 2004
FONO FORUM – September 2004
[…] Kommt eine neue Strauss-CD aus Dresden, sind die Erwartungen hoch – wie im Falle dieser Produktion, die alle Werke mit Solo-Cello zusammenbringt: die melodienselige Romanze und die euphorische Sonate op. 6, zwei Geniestreiche des jungendlichen Strauss, und „Don Quixote“ von 1897 („Phantastische Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters“), in dem das Solo-Cello die Rolle des Titelhelden übernimmt.
Jan Vogler gestaltet seine Parts kultiviert und mit tonlicher Noblesse. […]
Norbert Hornig
FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND– 22. Juni 2004
[…] Leidenschaft und Eleganz verleiht der Cellist [Jan Vogler] Richard Strauss’ machtvoller, lange vergessener Romanze für Cello und Orchester. In den Ecksätzen der ungestümen, wilden Cellosonate op. 6 begeistert Vogler mit unglaublicher Virtuosität. Mit feinem Klangsinn und großem Ton lässt er sein Cello im Andante regelrecht singen. […]
Dagmar Zurek
THE SUNDAY TIMES – 15. August 2004
This is a rare compendium […] of Strauss’s principal works for Cello, including the eraly Romance. […] this is an affectionate, beautifully played account of this famous score. […]
NDR KULTUR ONLINE – 6. August 2004
[…] Die drei seltener gehörten Stücke, die Strauss den Cellisten hinterließ […] hat Jan Vogler jetzt auf CD eingespielt […] Jan Vogler tritt in den berühmtesten Konzerthäusern der Welt auf und spielt dabei ebenso mit großen Orchestern wie mit seinen Kammermusikpartnern. Etwa mit Louis Lortie. Gemeinsam genießen sie jede unerwartete Wendung in der ungestümen Sonate für Cello und Klavier. […] Für Jan Vogler ist Strauss’ Romanze für Cello und Orchester sicherlich eine lohnende Entdeckung – seine Stärke liegt schließlich in den Kantilenen, die sich mit seinem vollen warmen Celloton fast so anhören wie ferner Gesang.
[…] Mit sicherem musikalischen Gespür balancieren Jan Vogler und die Dresdner Staatskapelle in der Tondichtung „Don Quixote“ zwischen Komik, Raserei und Melancholie. […]
Sarah Niehues
CRESCENDO – August/September 2004
Die Orchesterwerke von Richard Strauss verleiten zu Übertreibungen in Agogik und Dynamik. Einen angenehmen musikalisch überzeugenden Gegensatz bildet dazu das beinahe klassisch-maßvolle Dirigat von Fabio Luisi. Jan Vogler zeichnet sich durch die gleiche Interpretationshaltung aus, er bringt z.B. die hohen Töne klar und mit wenig Portamento. Die Staatskapelle Dresden spielt trotzdem nicht unterkühlt, sondern mit der Farbigkeit und Wärme, für die sie berühmt it. […]
KLEINE ZEITUNG GRAZ – 25. Juli 2004
Unter ihrem künftigen Chefdirigenten Fabio Luisi legt die Staatskapelle Dresden dem prägnant artikulierenden, sorgfältig phrasierenden und elegant gestaltenden Cellisten Jan Vogler einen schillernden Klanteppich zu Füßen.
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG – 26. Juli 2004
[...] Vogler leibt es, sein kostbares, etwas herb und reserviert klingendes Guarneri-Cello von 1712 singen zu lassen. Dazu hat er in den beiden Frühwerken wir in fünfter Variation (nächtliche Herzensergüsse an Dulcinea) und Epilog von „Don Quixote“ ausgiebig Gelegenheit. Dabei ist sein Ton eher licht und leicht als blühend, das technisch lupenreine Spiel zeugt von großem künstlerischen Ernst und textgenauer Disziplin. […]
Ellen Kohlhaas
BR ONLINE – 17. Juni 2004
[…]Jan Vogler spielt auf einem Guarneri-Cello von 1712 mit einem fast rauen Ton und zugleich großen Stimmumfang. Es ist eine ganz spezielle Mischung aus Energetik und Eleganz, zu der sich bei ihm ein Hauch von dunkler Melancholie hinzugesellt. Das macht sein Cellospiel so unverwechselbar. Und das macht verständlich, warum Jan Vogler sich für die spätromantisch schwelgenden Kantilenen eines Richard Strauss begeistert, deren existentielle Dimensionen von Liebe und Tod er j auch geistig in jedem Moment durchdringt - ganz besonders im gemeinsam mit der Staatskapelle Dresden unter Fabio Luisi hinreißend interpretierten „Don ; Quixote“. Jan Voglers ungemein melodiöser Celloton scheint sich am Klangspektrum der menschlichen Stimme zu orientieren und wird so den schweifenden Kantilenen des Strauss'schen Instrumentalgesangs auf faszinierende Weise gerecht. Geradezu betörend wirkt das in der sehr ungestümen und stellenweise wilden Sonate für Cello und Klavier op. 6, die Jan Vogler zusammen mit dem phänomenalen Pianisten Louis Lortie mit vibrierendem Schwung musiziert.
Michael Schmidt
DRESDNER NEUESTE NACHRICHTEN – 30./31. Oktober 2004
[…] Vom ersten Ton an nimmt die Aufnahme gefangen, lässt mit klanglicher Präsenz, auch Schönheit, des Komponisten spätere Entwicklung vorausahnen, lockt mit einer gesanglichen, aber dennoch geschmackvoll beherrschten Emphase des Soloinstruments, die im Orchesterpart ihren gemäßen Nachhall findet. […]
Kerstin Leiße
GESTRICHENE STERNSTUNDE - SÄCHSISCHE ZEITUNG
Die chinesische Geigerin und der deutsche Cellist haben inzwischen nicht nur hohes internationales Ansehen gewonnen, sondern auch zu einer Lebensgemeinschaft gefunden, die zu einem gemeinsamen Kind geführt hat. Beide Musiker sind dem Dresdener Publikum durch solistische Gastspiele bei der Philharmonie und der Staatskapelle bekannt; Vogler war erst 20, als er erster Konzertmeister der Celli bei der Staatskapelle wurde. Regelmäßig sind sie beim Moritzburger Kammermusikfestival zu erleben, das inzwischen von Vogler allein künstlerisch geleitet wird. Beide hatten inzwischen auch ihr erfolgreiches Debüt im New Lincoln Center. Die Werke von Saint Saens - Violinkonzert Nr. 3, Cellokonzert Nr. 1, "die Muse und der Dichter" für Violine, Violoncello und Orchester - gehören nicht zum Alltagsrepertoire, so dass sich die CD neben der vorzüglichen Interpretation durch eine Repertoirebereicherung auszeichnet. Fazit: sehr empfehlenswert
Peter Zacher
FRANZÖSISCHE VIRTUOSENROMANTIK - FONO FORUM
Auch Jan Vogler und Mira Wang wählten für ihre aktuelle CD zwei Saint-Saëns-Klassiker, die ihre Wirkung nie verfehlen: das erste Cellokonzert und das dritte Violinkonzert. Zwischendurch begegnen sich Geige und Cello im Konzertstück "La muse et le poète" - eine sinnvolle Werkkopplung. Das dreiteilige, wie ein Ganzes gearbeitete Cellokonzert bietet dem Cellisten nicht nur die Möglichkeit, mit solistischer Bravour hervorzutreten, sondern auch, klanglichen Feinsinn zu entfalten. All dies tut Jan Vogler auf hohem Niveau, bestens unterstützt durch sein hervorragend klingendes Guarneri-Instrument. Schade nur, dass Dirigent Thierry Fischer den Orchesterzauber am Beginn des zweiten Satzes nur in Ansätzen zu vermitteln weiß.
Mira Wang ist im H-Moll-Violinkonzert eine technisch versierte Solistin, die sich auf ihrer Stradivari mit gediegener Tonschönheit präsentiert. Im Konzertstück op. 132 musizieren Vogler und Wang in bester Übereinstimmung zusammen.
Norbert Hornig
SAINT SAËNS KONZERTE - CRESCENDO
Camille Saint-Saëns, Crescendo
JOSEPH HAYDN VIOLONCELLOKONZERTE C-DUR I-III - CRESCENDO
Ein besonderes Highlight ist die wunderbar atmosphärische Kadenz zum 2. Satz vom jungen Komponisten Jörg Widmann.
SCHUMANN/WIDMANN CELLOKONZERTE - BAYERN 4 KLASSIK
Fridemann Leipold
SCHOSTAKOWITSCH, WEILL U.A. - SONATEN FÜR CELLO UND KLAVIER - STEREO
Oliver Ford
DE FALLA, SCHOSTAKOWITSCH, WEILL - KLASSIK HEUTE
Anfang des 20. Jahrhunderts und damit in zeitlicher Nähe entstanden auch die Stücke Manuel de Fallas und 1 Kurt Weills. Unterschiedlicher könnten die Werke kaum sein: De FaIlas Rückgriff auf maurische und folkloristische Traditionen und Weills kammermusikalischer Ausbruch ins Ekstatische. Auch wenn es Vogler nicht immer gelingt, sich dieser Ekstase hinzugeben, der immer kontrolliert bleibt, überzeugt doch die künstlerische Integrität.
Künstlerische Qualität: Eine in künstlerischer Hinsicht herausragende Aufnahme
Klangqualität: Hervorragender Klang
Gesamteindruck: Eine herausragende Produktion
KLASSIK heute Empfehlung
Elgin Heuerding
RAVEL, EISLER, KODÁLY, HÄNDEL - RONDO
Der Titel eines der weniger bekannten Shakespeare-Stücke, Love s Labour Lost", auf Deutsch etwa: Die Arbeit der Liebe verloren", wird mit dieser Aufnahme glorios ins Gegenteil verkehrt:
Wenn die chinesische Geigerin Mira Wang und der deutsche Cellist Jan Vogler - wie s die Fotos im Beiheft suggerieren - nicht wirklich ein Paar sind, im erotischen Sinne (beide leben in New York), dann sind sie s wenigstens auf dieser CD.
Diese Ernphase, dieser Gleichklang trotz Verschiedenheit, dieses gemeinsame Wesen, das sich genau so bei einer Händel-Passacaglia (arrangiert von Johan Halvorsen) wunderbar vertragen kann wie bei Koddlys Duo op. 7 bisweilen krachen, und schon erst bei Ravels Sonate für Geige und Cello - das so vital vom Leben selbst erzählen kann, so wunderbar aufeinander eingehen, sich gegenseitig erganzen und den natürlich jeweils eigenen Charakter dabei nicht verliert: So wünscht man sich wahrlich ein Duo, auch wenn das Cover nur eine Art Pop-Crossover suggeriert. Was immer das für eine Brücke sein mag, die da zu sehen ist, die Aufnahme dieser Duette für Geige und Cello schlagen eine viel virtuosere andere Brücke. Die zwischen den Zeiten und den Menschen.
Thomas Rübenacker
VERTRAUTES DUO - MUSIK & THEATER
DUO, KLASSIK HEUTE
Doch das ist für das Duo Wang/Vogler eine zu vernachlässigende Kategorie. Bereits die ersten Töne von Kodälys monumentalem Duo packen den Hörer - und von da an wird er nicht mehr los gelassen. Jedenfalls nicht bei den Hauptwerken der eine Spur zu direkt klingenden Produktion. Halvorsens sportliche Händel-Bearbeitung und Eislers gehackte Miniatur mit Leben zu füllen, gelingt indes auch diesen beiden Ausnahmemusikern nicht. Aber das sollte niemanden davon abhalten, sich diese wunderbare CD ins Regal zu stellen.
Künstlerische Qualität: Eine in künstlerischer Hinsicht herausragende Aufnahme
Klangqualität: Hervorragender Klang
Gesamteindruck: Eine herausragende Produktion
KLASSIK heute Empfehlung
UNEINGESCHRÄNKTES VERGNÜGEN AM ROBUSTEN - SÄCHSISCHE ZEITUNG
Als ich mir dann aber die CD anhörte, mußte ich dem Dresdner Cellisten nicht nur Recht geben, sondern hatte außerdem noch uneingeschränktes Vergnügen an seiner Interpretation. Die formalen Parallelen zwischen Bach und Reger - gleiche Tonarten, weitgehend ähnliche Satzbezeichnungen, ähnlich freie Behandlung der einzelnen Tanzsätze - sind dabei gar nicht einmal so entscheidend. Obwohl sie in Voglers Spielweise deutlich genug werden. Man könnte es überspitzt so formulieren, daß er Reger mit einem Bach-Strich spielt. Einige Passagen klingen so, daß sie eigentlich auch von Bach sein könnten. Und natürlich ist das nicht nur eine Folge des Strichs.
Das eigentlich Wichtige an dieser CD ist die Art, in der Vogler Bach spielt. Da ist er nämlich nicht In erster Linie auf den schönen Ton aus, sondern musiziert bemerkenswert robust. In seiner Interpretation liegen diese Suiten quer zum augenreinen Geschmack, der auf Glätte aus ist und damit auf Vitalität verzichtet.
Musik frisch gespielt und gereinigt
Vogler reinigt die Suiten von allen Verharmlosungen, die ihnen das 19. Jahrhundert aufgeprägt hat. Seine Bach-Suiten sind ungemein frisch, manchmal ein bißchen widerborstig und wenig schmiegsam. Und das bekommt Ihnen bestens. Die Regerschen Suiten von 1914 wirken wie Kommentare aus Bach, wie eine Weiterführung von Gedanken, die 1720 nur einen vorläufigen Abschluß gefunden haben. Wenn nicht Unerwartetes geschieht, wird das wohl meine CD des Jahres 1998 werden.
VOGLER UND CANINO IM PERFEKTEN ZUSAMMENSPIEL - WELT AM SONNTAG
DURCHDACHT UND EIGENSTÄNDIG - FONO FORUM
Beethoven - Schumann Vol. I, Fono Forum, Norbert Hornig

