Photo by KássKara

Biografie

Hier finden Sie Infos über Jan Vogler und seine Karriere.

Biografie
FAZ Artikel (2000)
Interview Fono Forum

Biografie
Frankfurter Allgemeine Zeitung (14. 07. 2000)

Die bisherige Lebensgeschichte dieses Musikers ließe sich erzählen als die Geschichte von einem netten Jungen, der einst auszog aus dem gemütlichen Stadtviertel Prenzlauer Berg, um allein mit seinem Violoncello die Welt zu erobern.

Gerade einmal zwanzig Jahre alt war Jan Vogler, als er seine Heimstadt Berlin verließ, um künftig bei der renommierten Dresdner Staatskapelle die Position des Solocellisten anzutreten: eine Traumstelle, ohne Zweifel. Doch kaum hatte der Hochbegabte sich im schmucken Semper-Bau so richtig warm gespielt, packte er seine Koffer schon wieder und wagte den Sprung ins kalte Wasser: Eine Solokarriere sollte es sein. Den Mut zu dieser Entscheidung hatte ihm im Jahr 1997 ein Konzert mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin verliehen, wo Vogler für den kurzfristig erkrankten Solisten Heinrich Schiff, der zuvor in Basel sein Lehrer gewesen war, das Schumann'sche Cellokonzert gespielt und dafür großes Lob eingeheimst hatte.

Das Wagnis ist gelungen. Jan Vogler hat sich auf dem hart umkämpften Klassikmarkt durchgesetzt und zählt heute zu jener eher selten anzutreffenden Spezies von Cellisten, die es sich leisten können, auf den Dienst im Orchester gänzlich verzichten zu können, und die Kammermusik (Streichquartett) mehr zum Plaisier denn als Broterwerb betreiben. Die Angebote, als Solist zu spielen, kommen aus nahezu aller Welt; was dem Musiker zum Vollkommenen Glück wohl nur noch fehlt, ist der Anruf einer prominenten Plattenfirma. Bislang hat Vogler bei Berlin Classics aufgenommen - was indes den Rang seiner Interpretationen nicht im Mindesten schmälert.

Vor allem die Einspielung sämtlicher Beethoven-Sonaten für Klavier und Violoncello sowie der Werke Schumanns für diese Besetzung (mit dem fabelhaften italienischen Pianisten Bruno Canino) sind von der Fachwelt begeistert aufgenommen worden. Mit gutem Grund: Voglers Spiel ist technisch lupenrein, jedoch nie kühl, es ist durchdrungen von einem immensen Ausdruckswillen, von Energie und Leidenschaft. Gerne erinnert man sich an das großartige und ungeheuer spannende Konzert vor Jahren, als er im Kammerniusiksaal der Philharmonie gemeinsam mit Caninos Landsmann Andrea Lucchesini die Beethoven-Werke, die Jan Vogler als seine Lieblingsstücke bezeichnet, aufführte. Da war nichts Abgeklärtes, nichts Souveränes, das war vielmehr so, als würde einer
den Kampf mit den schroffen Konflikten, die sich hinter der melodiösen Oberfläche der Sonaten verbergen, bedingungslos aufnehmen. Und kaum einer spielte je mit so hohem Risiko, mit derartiger Vehemenz, wie es Vogler damals getan. hat, sein Lehrer Heinrich Schiff vielleicht ausgenommen.

JÜRGEN OTTEN